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„Blendende“ Arbeitsmarktdaten
von Ronald Gehrt
Also diese Amerikaner, die mogeln ja dauernd mit ihren Arbeitslosenzahlen herum, damit niemand merken soll, wie finster die Lage wirklich ist. So was gäb’s bei uns nicht, solche Mauscheleien. Wozu auch ... Arbeitslosigkeit ist in Deutschland überhaupt kein Thema mehr. Erste „Experten“, denen offensichtlich die Sommerhitze zu schaffen machte, faseln sogar schon von baldiger Vollbeschäftigung. Recht haben Sie! Haben Sie?
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Sie werden sich wundern ... aber zuerst mal zu den Amerikanern: Denn da fallen so viele aus der Statistik, dass die angeblich 9,5% in Wirklichkeit ca. 16% sind, weil die ganzen unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten und andere Bereiche einfach nicht in die Statistik einfließen. Mit diesen Berechnungskapriolen, so die allgemeine Ansicht, will man verhindern, dass der Konsum derer, die Arbeit und darüber hinaus auch noch genug Geld zum konsumieren haben, durch Angst vor Arbeitslosigkeit beeinträchtigt wird. Denn das könnte dazu führen, dass das stabile Wachstum, angeschoben von Staatsmilliarden und geschürter Hoffnung, in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Und damit hat man ja in den letzten Jahren unschöne Erfahrungen gemacht. Dumm nur, dass solche Beruhigungspillen nicht mehr verfangen. Auftragseingänge, Einzelhandelsumsätze, Verbrauchervertrauen, private Nettoneuverschuldung ... alles wies in den letzten Monaten auf einmal nach unten. Nur die Sparraten nicht. Die stiegen.
Wir hingegen, wir haben es natürlich besser gemacht. Die deutschen Großunternehmen melden fröhlich kräftige Gewinnsteigerungen, also muss ja alles bestens sein. Von den kleinen Firmen und Selbständigen hört man ja selten etwas. Was heißt: Denen muss es also auch blendend gehen. Oder? Gut, in meinem Umfeld, das so klein nicht ist, höre ich das Gegenteil. Aber vielleicht lebe ich in der falschen Region. Im Badischen gibt es traditionell weniger Arbeitslose als in den meisten anderen Regionen. Vielleicht also haben klagende Selbständige hier bloß ein Luxusproblem! Bestimmt!
Gerade heute überraschte uns die Bundesagentur für Arbeit mit neuen, herausragenden Zahlen. Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen leicht gestiegen, aber weniger, als für einen Juli normal wäre. Davon abgesehen haben wir wunderbare 271.000 Arbeitslose weniger als im Juli 2009. Jetzt sind es gerade noch 3,19 Millionen oder 7,6%. Passt also alles. Freuen wir uns! Da können wir den Amis mit ihren angeblichen 9,5% die lange Nase zeigen. Und das hebt die Stimmung ... was den Aufschwung noch beschleunigen muss, keine Frage ... und es reduziert die Neigung, mal ein klein wenig genauer hinzusehen ... oder gar (Gott behüte) mal nachzudenken.
Würde man ein wenig genauer hinsehen, würde einem im besten Fall schwindlig. Denn nein, wir machen es dem Amerikanern nicht nach, wenn es um das „Pflegen“ von Statistiken geht. Wir sind, wie es sich gehört, mal wieder Marktführer in diesem Bereich! Denn diese 3,19 Millionen oder 7,6% ... das sind genau gesagt keine Arbeitslosen, sondern offiziell registrierte Arbeitssuchende entsprechend eng gefasster Kriterien. Faktische Arbeitslose hätten wir ein paar wenige mehr. Wollen wir mal schauen, wer da alles durchs statistische Gitter rutscht... und noch vor Jahren mitgezählt wurde ... bevor die erfreulichen Daten veröffentlicht werden? Das ist gar nicht so wenig. Mich erinnern die Daten, die heute in den Schlagzeilen stehen, an einen Dönerspieß kurz vor Feierabend, so viel wurde da heruntergesäbelt.
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10 Kommentare
******* Anmerkung vom Blogwart: Das muss nicht sein.
danke für Ihren guten Artikel zum Thema Arbeitsmarktdaten.
In meinem Artikel "Die Arbeitslosen-Lüge"
(http://krisenfrei.de/Sordon_DieArbeitslosenLuege.pdf)
habe ich dieses Thema auch näher behandelt. Darin befasste ich mich mit allen arbeitsfähigen Bundesbürgern und kam demnach auf eine Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent.
Ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen, dass, und das schreiben Sie ja auch, zu diesem Thema gelogen wird, was das Zeug hält.
Ich fühlte mich dort so gut aufgehoben, daß ich am selben Tag meiner Anmeldung folgenden Brief an die ARGE schrieb:
"Abmeldung Kundennummer 0815
Sehr geehrte Damen und Herren,
nachdem ich sehr aufmerksam alle Unterlagen und Broschüren studiert habe, die ich im
Zusammenhang mit meiner Arbeitslosmeldung am .... erhielt, bin ich zu dem Schluss
gekommen, dass ich vorerst auf Ihre Dienstleistungen verzichten und mich ausschließlich in
Eigenregie, um ein mir angemessenes Arbeitsverhältnis bemühen werde.
Wie Sie wissen, habe ich eine langjährige leitende Tätigkeit in meiner Heimatregion, zugunsten der
Kinderbetreuung und der Familienzusammenführung aufgegeben und möchte nun, da meine Frau
hier arbeitet, einen geeigneten beruflichen Neuanfang suchen.
Bei allem Respekt für Ihre außerordentlich ernsthaften Bemühungen einen Arbeitnehmer, so
schnell wie möglich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern und damit natürlich auch Ihre
Erfolgsquote und die Statistik positiv zu beeinflussen, müssen Sie bedenken, dass es zumindest
mir, um eine Anstellung geht, die für die Zukunft Bestand hat, die zu mir und unserer nicht
einfachen Lebenssituation passt und die auch angemessen entlohnt wird.
Leider kann ich aus den mir vorliegenden Infomaterial und dem nun folgenden Verfahren nicht
erkennen, dass wir aktuell dieselben Ziele verfolgen. Ich möchte Sie deshalb bitten, alle
notwendigen Schritte einzuleiten und insbesondere freigeschaltete Daten in Ihrem Netzwerk zu
deaktivieren bzw. zu löschen.
Auch wenn ich momentan nicht Ihre Dienstleistungen in Anspruch nehme, lege ich Wert darauf,
dass Sie mich weiterhin als arbeitssuchenden bzw. arbeitslosen Bürger wahrnehmen und
entsprechend auch statistisch erfassen, bis ich Ihnen eine Änderung mitteile.
Bitte seien Sie so freundlich, mir diese Tatsache, schriftlich zu bestätigen.
Mit freundlichen Grüßen"
Selbstverständlich habe ich diese Bestätigung nie erhalten. Man teilte mir lediglich mit, daß man nur angemeldete "Kunden" auch statistisch erfassen könne.
Wer mehr wissen will, wie motiviert man dort ist, hier:
http://eifelphilosoph.blog.de/2009/07/30/motivation-arge-kunde-6616193/
Die Wörter "Parteien, Lügner, Ganoven, Presse, Zeitungen, Medien, Mietmäuler" auch "Schranzen" gehören noch zur Standard-Hochsprache. Auch als Komposita "System~".
Wie ich den Blogwart einschätze, murrt der aber wohl auch gegen die Unzahl der "*" . ;-)
Seien wir froh, dass er uns so in Zucht hält!
Aber die vorauseilend ironische Einräumung finde ich trotzdem unterhaltsam.
@R.G.
Dank für die bündig zitierfähige Aufrechnung.
Es gibt Begriffe, Personen wegen einer Eigenschaft beleidigen, für die sie nichts können. Es vergleichbar mit miesen Witzen gegenüber Behinderten. Das möchte ich hier definitiv nicht. Ihre gewählten Worte bezeichnen wie Sie schon schreiben systemische Eigenschaften, die gewiss zu differenzieren wären und auch differenziert betrachtet werden können.
Es gibt weltweite Rankings, in denen man sehen kann inwieweit die Begriffe in den Vordergrund treten.
wir können nur hoffen das die notorischen Optimisten das auch lesen.
Mit freundlichen Grüßen
tja vom Thema Arbeitslosigkeit können auch wir ein Lied singen. Mein Mann war bis vor zwei Wochen arbeitslos, dürfte aber in keiner Statistik aufgetaucht sein, denn:
Nach der Entlassung gab es eine TG (Transfergesellschaft) mit Geld im Arbeitslosenniveau für 12 Monate. Dann wäre er arbeitslos gewesen, hat aber noch einmal unterschrieben, dass er für weitere drei Monate von der TG betreut wird; weiterhin zum ALG I-Tarif. Dann hat mein Mann sich eine Praktikumsstelle besorgt, die ihm von der ARGE als Beschäftigungsmaßnahme aufgedrückt wurde. Das war dann für 14 Tage. Die Firma hätte ihn für 10 Euro pro Stunde brutto übernommen, aber Gott sei dank hat er es noch knapp geschafft, eine besser bezahlte Anstellung zu finden. Also war er faktisch 1 Woche arbeitslos. Toll, so kann man die Statistiken auch schön drücken. Und so geht es auch allen anderen Kollegen, die letztes Jahr auf die Straße entlassen wurden.
Vollbeschäftigung? Ich lach mich tot.
LG
Die Arbeitslosenzahlen zum Vorjahr sanken bei uns zu 75% durch "Leiharbeit". Über die Politiker und Medien bin ich mittlerweise stark erbost, wer auf der einen Seite "Marktgewissen" schreit, muß auf der anderen Seite allerdings die Konsequenz aus Bankenkrisen und €-Krisen tragen, die hießen dann aber niemals "alternativlose Rettung". Es gibt sehr wohl Alternativen. Da braut sich was ganz Übles zusammen, schwant mir.
wir beide werden noch das Synchronspringen in FFM zu Ehren des Ex Euro veranstalten. Und zu dieser Veranstaltung, werde ich persönlich, den Herrn Meyer, verpflichten, dieses zu kommentieren. Jopi Heester läuft ja auch noch mit 106 über die Bühnen der Welt. :---))
Und @ die Arbeitlosen Kommentare... Kopf Hoch. Niemals Sand darein stecken. höchstens damit beschäftigen, dass sich der Kopf heftig von links nach rechts bewegt. Wenn einen die Realität erwischt. Glaubst mir, es geht irgendwie immer weiter. Und die Erfahrung mit den Agenturen kann euch keiner nehmen. Blos niemals das erlebte vergessen. Und wenn hier Leute mitlesen, die Arbeitslos sind, nehmt euch Bücher, studiert für euch selber. Auch wenn der Weg aussichtlos erscheint. Er ist es nicht. Bildet euch. Lernt was dazu. Ohne Auftrag einer Agentur. Die hilft euch gar nix.
+Gruß
Stimme zu! Das völlige Versagen der Parlamente ist grotesk und empörend. Die Scheinheiligkeit der Moralisierung widerwärtig. Das Gerede von der Alternativlosigkeit abgrundtief dumm.
Es ist Existential des Menschen, dass er sich entscheiden muss und nicht etwa nur kann. Das Maß der Freiheit ergibt sich dabei aus der Handlungsfreiheit (den Bedingungen und Fähigkeiten) sowie der eigenen Willensfreiheit. Unabhängig von der ungeklärten Frage, ob der Mensch wirklich frei ist oder dies nur wähnt, verschwindet das, was wir Freiheit nennen - von extremen physischen Zwangsbedingungen abgesehen - nie ganz mit Ausnahme der Tatsache, dass wir nicht aufhören können zu entscheiden, solange wir leben. Dieser Entscheidungszwang ist die logische Entsprechung zum steten Vorhandensein von Auswahlmöglichkeiten bei der Unfähigkeit die Zeit anzuhalten. Er endet erst mit dem Tod des Individuums.
M.E. ist es ziemlich gleichgültig, ob jemand eine falsche Alternative stellt wie weiland Helmut Schmidt im Verein mit Bruno Keisky Mitte der 70er: "Was wollt ihr fünf Prozent Inflation oder fünf Prozent Areitslose". Oder ob jemand ignorant oder aus Machtkalkül eine Alternativlosigkeit behauptet. In allen Fällen wird die Realität schmerzhaft, wenn die Entscheidung falsch ist. Der Schmidt'sche Unsinn gepaart mit Keynesianismus und Währungsschlange (damaliger Mini Euro) führte dazu, dass es von beidem reichlich gab und die Staatsverschuldung rapide wuchs. Was die jetzige Amtsinhaberin verschuldet ist wohl nur als Albtraum zu erahnen.
Ein Politiker, der eine Alternativlosigkeit behauptet, ist für sein Amt ungeeignet und sitzt nur noch als Mumie resp. Marionette an den so genannten Hebeln der Macht.