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Holterdipolter am Silbermarkt
von Frank Meyer
"Die Menschen sollten wissen, was knapp ist und was es in Hülle und Fülle gibt."sagt Thorsten Schulte, Herausgeber des Silberbriefes "Silberjunge". Nach den wasserfallartigen Kurseinbrüchen der letzten Tage sehen die Charts mal wieder so aus, als wollten sie sich bald übergeben. Eine gute Gelegenheit, bei Thorsten Schulte mal nachzufragen, wie er die Sache mit dem Silber sieht...

Follow up:
Silber hat sich in den letzten Wochen aufgemacht, wichtige technische Marken anzugreifen, ist aber immer wieder davon abgeprallt. Teils kam es ohne ersichtliche Gründe zu sturzbachartigen Abverkäufen. Ist das Zufall?
Ich habe gar keine Zweifel, dass der Silbermarkt noch stärker manipuliert wird als der Goldmarkt. JP Morgan hält bei Silber, Platin und Palladium per Ende März 2010 stolze 68 Prozent aller ausstehenden Derivate. Dies ist ein Rekord! Die vier großen Spieler am US-Silber-Terminmarkt hatten per 20. Juli 2010 insgesamt 47.835 Kontrakte leer verkauft. Dies entspricht immerhin 239 Millionen Unzen und damit rund 34 Prozent der Minenproduktion des letzten Jahres.
Beim Gold hallten die vier größten Spieler Netto-Leerverkaufspositionen von dereit 27 Prozent der Goldminenproduktion des letzten Jahres. Nur bei Gold und Silber sind diese unglaublichen Leerverkäufe der bedeutendsten Trader feststellbar. Wollen wir da ernsthaft an Zufälle glauben, wenn Silber immer wieder binnen kürzester Zeit starke Rückschläge erleidet? Wohl kaum! Die Manipulatoren wollen immer wieder falsche Chartsignale generieren und damit die meisten Anleger aus dem Markt treiben. Das ist immer wieder vorgekommen und dann melden sich alle Charttechniker voller Pessimismus zu Wort. Aber gerade dann sollten wir meines Erachtens Chancen erkennen und den Manipulatioren eben nicht auf den Leim gehen.
Silberchart (voller Bärenfallen)

Spielte der Verfalltag der Augustoptionen auch eine Rolle?
In der Tat war der 27. Juli der letzte Handelstag der August-Optionen auf den Silber-Future. Nebenbei liegen am 26. August, 27. September und 23. November 2010 die nächsten wichtigen Verfalltage. Dann kann letztmalig das Recht von Optionskäufern ausgeübt werden, den Silber-Future zu beziehen. Danach wird die Option wertlos.
Der heutige Mittwoch ist der letzte Handelstag des Silber-Future mit der Fälligkeit Juli 2010. Wer den Silber-Future gekauft hat – also „long“ ist – kann bis zum letzten Handelstag die Lieferung physischen Silbers – 5.000 Unzen je Kontrakt – verlangen. Natürlich wollen die Manipulatoren gerade das verhindern. Also wird für Unsicherheit gesorgt. Diesmal kam noch etwas anderes hinzu, nämlich der Verkauf neuer US-Staatsanleihen über insgesamt 106 Mrd. US-Dollar zwischen dem 27. und 29. Juli. Ich beobachte bei hohen Platzierungen von US-Staatsanleihen immer wieder plötzliche Schwächeanfälle der Edelmetalle.
Wie schätzen Sie die technische Situation ein?
Im logarithmischen Silber-Chart verläuft der seit Oktober 2008 bestehende Aufwärtstrend bei 17,90 US-Dollar. Der wurde nun gebrochen. Anfang Juni lag das Kurstief bei 17,16 US-Dollarund Anfang Mai waren es 17,06 US-Dollar. Warten wir ab, ob die Manipulatoren einen Rücksetzer unter die 17-Dollar-Marke erreichen. Mein Worst-Case liegt derzeit bei rund 15 US-Dollar.
Ich kann im Moment noch keine antizyklische Kaufgelegenheit wie im Februar ableiten und rate derzeit eher zu Geduld und Gelassenheit. Wer keine Zeit und Geduld hat, sollte sich besser gar nicht erst dem Silbermarkt zuwenden. Für mich besteht überhaupt kein Zweifel, dass wir die 21 US-Dollar überwinden werden. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Im Übrigen sollten man sich doch über die Rückschläge eher freuen. Sehen wir es mal anders: Ist es nicht eine Subventionierung der Preise, wenn die so genannten Commercials am Markt für Rückgänge sorgen? Dies ist aus meiner Sicht für die Gegenspieler eine enorme Gefahr. Wenn man den Marktpreis für ein Gut künstlich niedrig hält, wird das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage immer größer. Irgendwann muss es dann zu einer Preisexplosion kommen.
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15 Kommentare
Welche Möglichkeiten haben wir denn, uns gegen Brüsseltechnokraten zu wehren?
Ein Ted Butler, der bereits einen Erfolg feiert weil über Possitionsobergrenzen "nachgedacht" wird haben wir doch nicht, oder werden es Saiger, Meyer, Schulte, Hellmeyer und Siegel zusammen sein? Gehofft werden darf.
Schön Gruß ins Ried und vielen Dank für die letzten beiden Interviews
Man kann auch den Harpex-Index anschauen. - der donnert durch die Decke...
LINK ---> http://www.harperpetersen.com/harpex/harpexVP.do
beim BDI sieht man eindeutig, das in glaube 3 Wellen, die Rohstoffen von A nach B geschppert worden sind. In folge dessen, mit Zeitverzögerung, werden die Produkte dann nun gefertigt. Daraufhin wechseln die Produkte den Besitzer. Dadurch steigt der Container Harpex. Ob das nun dazu dient, die Lager aufzufüllen, oder zu entleeren, ist eigentlich erstmal egal. Beim BDI der Richtung Süden geht, ist seit geraumer Zeit die Rohstoffnachfrage rückgängig. Dieser Rückgang wird sich auch in dem Haarpex wiederfinden. Nicht Morgen, aber in den nächsten 2-3 Monaten. Interessant ist es, wenn man beide Charts über 5 Jahre betrachtet. Und da sieht der Harpex noch ziemlich dünne aus. Man kann sich ja vorstellen, wieviel Container Frachter noch in den Docks liegen. Aber wie gesagt, ohne Rohstoffe keine Produktion. Entweder sind die Lager der Stahlkocher voll, ebenso die Öltanks, das man genügend für die Produktion hat. Oder es droht im Herbst eine kleine Flaute. Nur meine Meinung und muss nicht richtig sein.
+Gruß
hatte gerade ein Interview mit Christine Schweikard von der BHF-Bank. Sie sagt, dass neue Schiffen in den Markt kommen und die kapazitäten sich ausweiten. Das drückt die Preise und den Baltic Dry
Baltic Dry : z.B. Eisenerz; Kohle; Kupfer, Zement (trockenes Schüttgut), was zur Vorproduktion benötigt wird.
Harpex: Konsum und Industrieprodukte in Container
BDTI: (Baltic Dirty Tanker Index): Crude Oil / Rohöl
BDCI: (Baltic Clean Tanker Index): Benzin Diesel... flüssige Endprodukte aus Rohöl.
@ Frank, ich habs gesehen.
Neue Schiffe... mag sein. nur mit welchen Schiffen sind denn die hohen Frachtraten vorher erzielt worden. Ich werde da immer Misstrauisch, wenn ich höre, dass jetzt auf einmal ganz viele neu Schiffe den BDI drücken. Der BDI zeigt die direkten Frachtraten an. Die Tonnagen, die real von A nach B geschippert werden. mit der Anzahl der Schiffe, hat das leider nix zu tun. Ehr mit der Auslastung der bestehenden Flotte.
genau richtig erkannt. Die Junge Dame eben im Interview, hat aber auch was interessantes angesprochen, nämlich das die Luftfracht 6% oder so, über Vorkrisenniveau liegt. Das freut die Cargo Abteilung aber. Und es zeigt auf, dass den Importeuren, die dann wieder Exportieren, die Zeit wegläuft. Ein Schiff braucht von Hongkong nach Rotterdam etwas länger, als das Flugzeug.
Das was wir jetzt als mini "Aufschwung" sehen, ich denke, das sind noch die Aufträge, die Aufgrund der Finanzkrise auf Eis gelegt worden sind und jetzt abgerufen werden. Also ein nachholen der Bestandsaufträge. Ich bin gespannt wie lange das dauert, diese abzuarbeiten. Ich bleibe aber dabei, der BDI unterstreicht und bestätigt diesen Aufschwung Nachhaltig derzeit nicht.
+Gruß
..sehe es auch wie du.Harpex steigt weil die durch Reflation erzeugten waren verschippert werden.Fallen diese künstlichen Massnahmen weg werden weniger Waren produziert,ergo weniger Grundstoffe benötigt.Stimmt das wird der Harpes zeitversetzt dem BDI folgen.
@Frank
Silber wird mm. erst dann richtig steigen wenn es remonetarisiert wird.aktuell ist es,wie beschrieben, ein Zwitter aus Rohstoff/Geld.
Wird aber kommen !
http://www.icc-deutschland.de/
Der LOC ("Akkreditiv") wird durch die ausstellende Bank "abgesichert". Da braucht man nicht raten, eine Sparkasse, macht so etwas nicht. Im Normalfall, akzeptiert die Empfänger Bank diesen LOC. Und gibt das grüne Licht, das Fracht A zu B schippern kann. Wenn die etwas größeren Banken, die üblich Verdächtigen, ins Strudeln geraten, wie geschehen "platzen" diese LOC. Und der Frachter fährt nicht los.
Man sieht das im BDI ganz deutlich. Wie steil und schnell der im Sturzflug war. Bis Dato hat er sich davon wirklich nicht erholt. Vielleicht hat er sich eben da eingependelt, wie es tatsächlich um die Weltwirtschaft gestellt ist. Es werden ja nun nicht jeden Tag Wolkenkratzer der Superlative in den Wüstensand gerammt.
@ Frank hats ja gesagt, VW meldet ein Hurra, was die Absatzzahlen betrifft, USA China. Siemens überschlägt sich. Und alle brauchen se Stahl und Containerschiffe, um das Zeugs zu schippern. Vom Kraftwerk bis zum Käfer.
Andere melden volle Auftragsbücher. Nun, wenn man SAP ein wenig kennt, werden dann automatisch die Dinge bestellt, die man für die Produktion braucht. Vom Kugellager über den Kabelbaum konfektioniert in China bis hin zur Schraube.
So lesen wir bei Kloeckner in der Presseschau fett von mir:
Der Absatz konnte in den ersten drei Monaten in 2010 im Vergleich zum Vorjahr im Wesentlichen durch die witterungsbedingte Wiederbelebung der Bauaktivität im März, vorgezogener Einkäufe aufgrund der drastischen Preissteigerungen sowie Akquisitionen um 10,5 % auf 1,2 Mio. Tonnen (Q1/2009: 1,1 Mio. Tonnen) gesteigert werden. Der Umsatz von rund 1,0 Mrd. Euro lag hingegen aufgrund durchschnittlich niedrigerer Absatzpreise um 4,2 % unter dem Vorjahreswert (Q1/2009: 1,1 Mrd. Euro).
http://www.kloeckner.de/de/presse/nachrichten-2213.html
Nun, was lesen wir daraus. Einkaufspreis hoch, Gift und Galle, Verkaufspreis runter fehlende Nachfrage... Teufel aber auch. Weniger Gewinn, denn Umsatz ist nun mal kein Gewinn. Vorgezogene Einkäufe, verflucht auf das Lager damit, damit man bei der Inventur auch was zu wiegen und zu zählen hat. Da die Eisenerzproduzenten auch noch zusätzlich kräftige Preissteigerungen angekündigt haben, außerhalb des Kartellamtes, versteht sich.
Und weiter aus der Quelle:
Für 2010 hat Klöckner & Co seine Prognose über das Umsatzwachstum von zuletzt mehr als 20 % auf über 25 % erhöht. Maßgeblich getrieben wird der Umsatzanstieg durch Akquisitionen, eine Normalisierung der Bestandsniveaus in den Lagern der Kunden sowie stärker gestiegene Preise für Stahl und Metall. Mit einem deutlichen Anziehen des realen Stahlverbrauchs in den wesentlichen Absatzmärkten Europa und Nordamerika rechnet das Unternehmen aber zurzeit noch nicht.
Also doch kein Wachstum oder wie? Und wo bleiben die Schwellenländer? Ach ich vergas, die machen ja den Stahl selber. Also das so genannte Wachstum, spiegelt sich im Preis wieder. Die Einkäufer kaufen jetzt, die Kapazitäten im Lager werden hochgefahren. Es ist zu unsicher auf dem Weltmarkt, für Just in Time.
Gäbe es eine Auszeichnung für exzellente Kommentare in einem hervorragenden Blog diese Salve zu den Frachtraten-Indices perfekter Qualität hätte sie hoch verdient.
Bin selten so kundig informiert worden.
Begeisterten Dank an die Profis!
gruß @ Frank und @
zu deinen Kommentaren:
Mein Respekt, besser kann man die wirtschaftliche Lage nicht beschreiben.
@ alle
Eine Steigerung der Infos, ist meiner Meinung nach, nicht möglich.
Einfach S U P E R
http://www.fr-online.de/home/pleite-im-sonnenstaat/-/1472778/3371102/-/index.html
musste lange danach suchen bis ich überhaupt was in der online-Presse über das Thema gefunden habe. Das interessiert mal wieder keinen Mensch, aber im Februar ist es wohl so weit :) Soll keiner sagen, es hätte vorher keiner gewusst.
Bitte vom Blogwart: Nur einen Link zu setzen, ist etwas wenig. Komfortabler wäre es doch, eine kleine Zusammenfassung zu schreiben...
Pleite im Sonnenstaat
Arnold Schwarzenegger tritt auf die Bremse: Kaliforniens Gouverneur will Hilfe aus Washington, die Schulden steigen rapide. Gibt es kein frisches Geld, ist im Februar der letzte Dollar ausgegeben.