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War’s das nach oben?
von Ronald Gehrt
Bisher liegen nur wenige Quartalsbilanzen großer US-Unternehmen auf dem Tisch. Aber die Reaktionen überaus unerfreulich ... wenn man bullish ist. Im Vorfeld waren diese Resultate ja wochenlang als „erneut hervorragend“ gelobt worden...
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Zu einem Zeitpunkt, an dem Analysten angeblich schon Bescheid wussten, während die Unternehmen selbst noch nicht annähernd absehen konnten, wie die Daten aussehen würden. Wie immer also. Jetzt sehen wir, dass die ersten Ergebnisse ganz ordentlich sind, ohne einen aus den Schuhen zu reißen ... aber die Reaktion darauf noch nüchterner ist. Hatten Aloca und Intel nachbörslich noch zackig zugelegt, halbierte sich dieses Plus am darauffolgenden Tag im regulären Handel in beiden Fällen auf die Hälfte. Und J.P. Morgan, die erste große US-Bank im Reigen der Zahlen, konnte die Erwartungen der Analysten nur erfüllen, was den Gewinn angeht ... und unterbot sie, was den Umsatz betrifft. Was dazu führte, dass die Aktie nach US-Handelbeginn gleich mal fiel.
Gleichzeitig regnet es aus den USA schwache Konjunkturdaten. Noch steht die Produktion auf erhöhtem Level, weil noch Aufträge genug aus der Phase des blinden Optimismus im Herbst, Winter und Frühjahr da sind. Aber bereits jetzt steigen überall die Lagerbestände, während der Baltic Dry Index anzeigt, dass immer weniger Rohstoffe von A nach B geschippert werden. Unschöne Perspektive. Die noch weit, weit finsterer wird, wenn man sich klar macht, dass die beiden Achillesfersen Arbeitsmarkt und Immobilienmarkt nach wie vor kaum oder gar nicht über den Krisentiefs aus dem Frühjahr 2009 stehen. Die zahllosen Anstrengungen der US-Regierung sind verpufft ... und beide Bereiche können ohne Stützräder trotzdem auch heute noch nicht alleine laufen. Und, und das ist das Schlimmste: Eine neue Welle an Geld in diese Bereiche zu pumpen, stehen drei Aspekte entgegen, die dazu führen werden, dass man erst dann erneut eingreifen wird, wenn es viel, viel zu spät ist:
Erstens, dass es keinen Grund gibt zu glauben, dass es diesmal besser funktionieren würde. Warum also gutes Geld schlechtem hinterherwerfen. Zweitens, dass das politisch nicht durchsetzbar wäre und Drittens, dass unter all denen, die immer noch glauben, die Lage sei jetzt im Griff, Panik ausbrechen würde. Denn erneute Stützungsprogramme wären der Beweis, dass all das Gefasel seit letztem Jahr dummes Zeug war. Was mich an die permanente Litanei des Präsidentschaftskandidaten McCain erinnert: „The economy is strong“ ... immer wieder plapperte er das in 2008 vor sich hin. Sie war es nicht. Und sie ist es heute ebenso wenig. Was auch der Konsum zeigt, das Rückgrat der US-Wirtschaft. Nachdem es im Mai und Juni dort bergab ging, ist für das abgelaufene 2. Quartal insgesamt ein Minus zu verzeichnen.
Hierzulande wird oft entgegnet, dass diese Probleme in den USA ein PaL (Problem anderer Leute) sei, denn hier laufe doch alle wie geschmiert. Ja. Wenn man den Sprüchen derer glaubt, die an Aktienkäufern verdienen, dann schon. Man preist die stetig sinkende Zahl an Arbeitslosen ohne zu hinterfragen, warum mehr Menschen Hartz IV beziehen müssen, warum die Sozialhilfeempfänger immer zahlreicher werden und ohne zu prüfen, welche immer kreativeren statistischen Klimmzüge angewendet werden, um diese Jubelzahlen zu erschaffen. Man ignoriert, dass in den letzten Wochen wieder erstaunlich viele Betriebe Kurzarbeit anmeldeten. Man ignoriert, dass Europa einem Abkippen der USA immer drei bis sechs Monaten hinterher hinkt. Und man ignoriert mangels allerneuester Schlagzeilen, dass die EU nach wie vor genau da steht, wo sie vor zwei Monaten stand: Mit anderthalb Beinen über dem Abgrund. Dass der Euro aktuell wieder steigt, hat damit nichts zu tun. Er indiziert keine Verbesserung der Lage in der EU, sondern ist das Ergebnis einer beginnenden Schwäche des US-Dollar, der die dort einknickende Konjunktur reflektiert.
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3 Kommentare
nur wie kommt da nun raus? Der "Kapitalismus" hat sich doch selber diese Probleme erst produziert. Der Staat will den sozialen Frieden aufrechterhalten, und macht das durch Transferleistungen, Rentner, Kinder, sozial Schwache, die "Kosten" verursachen. Was müssen die Unternehmen machen, um angeblich globale "Wettbewerbsfähigkeit" nachzuweisen, diese reduzieren die Kosten. Eine Reduzierung der Kosten bewirkt aber gleichzeitig auch einen Nachfrage-Rückgang. Wo vormals der Einkäufer z.B. 3.000 zur Verfügung bekam, und durch Kostenoptimierung nur noch 1.500, dann fehlen dem Verkäufer 1.500 egal was. Und diese Kostenoptimierung im Quadrat, begann mit Toyota 1947. Ja, bei den Japanern, deren Staat ja bekanntlich über 200% Schulden haben soll. Ja, das was wir jetzt erleben, wurde durch das geliebte Automobile und dessen Industriefaktor zu einer regelrechten Pandemie, bei den "Global Playern". Und diese Pandemie der Kostenreduzierung, kroch so langsam aber sicher in den letzten 20 Jahren, in die Substrukturen der Zulieferer, und ergo, bis zum Brötchenbäcker etc. pp.
Wurden dadurch aber die Produkte günstiger? Nein, der "Kapitalismus" zielt ja nun auf die Gewinnmaximierung ab. Nun könnte man meinen, dass diese wieder Reinvestiert werden. Wurden ja auch. VW kaufte dies und das, und die Herren Daimler, eben Chrysler. Hinzu kam eben auch noch ein gewisser Alan Greenspan. Der mit seinen Finanzinstrumenten den Größenwahn noch beschleunigte. Und eben auch die laxe Kreditvergabe in den USA, aber auch in der EU nicht mal D sondern die jetzt üblich Verdächtigen. Tja, man dachte es geht immer weiter so. Wenn da nicht der Fakt wäre, dass die Einkommen (Kosten) eben nicht im Turbogang gestiegen sind. Wir müssen ja Kostenreduzierung betreiben. Wenn das Einkommen nicht passend ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann Kredite ausfallen. Nur ist hierbei auch wieder die Frage, welche Sicherheiten hinter den Krediten stecken.
Es ist auch kein Wunder, dass nach 1986 und der ständigen Kostenoptimierung (schönes Beispiel Bahn) plus der dadurch gestiegen Gewinne, plus der Finanzinstrumente, weltweit die Börsen hoch gepuscht worden sind. schauen wir doch die Kurven an. Ja, Börsianer haben sich gefreut. Auf welche Kosten aber? Letztlich, werden sie selber darunter leiden müssen. Und nun kommt diese famose Bundesregierung, auf den Trichter, auch noch die Kosten zu reduzieren. Und selbst der dickste Industrie Hundt flötet mit rum. Das soll mal einer verstehen.
Ich denke, dieses Spiel endet dann, wenn es nix mehr zum Kosten Reduzieren gibt. Weniger wie Null geht nicht. Dann haben zwar wenige ganz viel, und ganz viele wenig. Eines der größten Probleme des "Kapitalismus" ist, dass es immer so enden wird. Und dagegen kommt kein Staat der Welt an. Die Schuldenuhr, ist der öffentliche Beweis, für das Guthabenwachstum anderer. Welches irgendwelche Zeitarbeitsknechte erwirtschaften.
Deshalb frage ich mich auch immer, wie ein Jubelorkan entstehen kann, wenn DOW&Co. die 10.000 über kriechen. Ist das nun gut, oder ist das nun schlecht? Ob der DAX nun bei 6.000 oder 15.000 steht. Spiegelt die Realität doch schon lange nicht mehr wieder. Übertriebene Renditeerwartungen sind das, und nicht wissen wohin mit der Kohle. Dazu braucht man sich nur dieses http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&init=1&language=de&pcode=ten00097&plugin=1
anschauen. Das ist der Verbrauch an elektrischer Energie in Europa. Und da die Industrie zum Produzieren, diesen braucht, kann man daraus Rückschlüsse auf den Aufschwung nehmen. Der gerne verkündet wird und wurde. Ich kann da keine Euphorie erkennen. Besonders nicht das beschworene "Wachstum". In den USA genau das gleiche Bild. Nur in China nicht.
So, und nun stehen wir eben an einem Punkt, wo ganz viele Kosten Optimiert worden sind, 1,7 Billionen "Staatsschulden" Guthaben anderer sind, sekündlich die Guthaben steigen, hoffen, dass der Chinese ganz viele Mercedes kauft, die er früher oder später selber baut. Die USA wieder mehr Exportieren wollen, wohin und was frage ich mich. Und dadurch der Weltwirtschaftsmotor wieder zum brummen kommt. Herrlich bekloppt diese Welt.
Perfide ist nur, dass der Kostenfaktor Mensch Excludiert und Reduziert wird. Ohne Rücksicht auf Verluste, es ist unglaublich, da stört sich auch keiner dran. Irgendwer Schuldig? Nö, das scheint die Logik im "Kapitalismus" zu sein. Wie es weiter geht? Ich hätte ja einen Vorschlag. Aber wer will das in Berlin schon wissen. Angie solltest du das hier lesen, dann las uns mal in einer ruhigen Minute, unterhalten. Und ich sage Dir, wie Du ganz lange noch als Kanzlerin durch die Gegend jetten kannst.