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Alarm!
Damit also ist eigentlich kein Bereich mehr positiv. Und selbst das nie wirklich widerlegbare (und nie beweisbare) Argument der überbordenden, nach Anlage suchenden Liquidität ist kaum mehr als heiße Luft, was sich an den sogar zu Jahresbeginn völlig unüblich niedrigen Umsätzen ablesen lässt. Auch Rallyes nach Rücksetzern bleiben umsatzarm. Aber ... nun, da bleibt ja immer das Argument, das „immer geht“:
Da die Regierungen nicht wollen, dass die Börsen fallen und dadurch die Leute unruhig (und noch ärmer) werden, wird dafür gesorgt, dass die Aktien oben bleiben. Nun ja. Zuletzt wurde viel darüber diskutiert, ob die US-Regierung selbst den Aktienmarkt gestützt habe. Ich halte das für Unsinn, denn es wäre nicht zu verbergen gewesen. Machbar wäre es gewesen, in Japan wurde das in den 90ern ja auch (erfolglos übrigens) praktiziert. Aber warum selbst eingreifen, wenn man sich der Großbanken bedienen kann! Das war seit dem Sommer meine Ansicht:
Die Quasi-Gratiskredite der US-Notenbank wanderten kaum in die Kreditvergabe für die Wirtschaft. Wohin ging dieses Geld, während „zufällig“ im Juli eine klare Abwärtswende des Aktienmarkts plötzlich in eine Rallye verwandelt wurde? Eben. Schließlich waren diese Kredite nicht zweckgebunden. Ich ging seit Monaten davon aus, dass hier massives Kapital durch einzelne Großbanken in den Aktienmarkt gepumpt wurden, weil sie dort natürlich mehr Gewinn in kürzerer Zeit herausholen konnten, anstatt sich der Mühen und Risiken der Kreditvergabe auszusetzen. Nur hat die Sache einen Haken:
Um aus solchen Aktionen einen Gewinn zu erzielen, muss man diese dadurch aufgehäuften Bestände ja auch verkaufen können. Ein Buchgewinn ist nichts ... erst, wenn das Geld wieder auf dem Konto ist, ist der Gewinn sicher. Nur ... fallende Umsätze, die Börsen kommen nicht mehr recht voran, das Sentiment ist so bullish wie selten: Das ist nicht das geeignete Umfeld, um solche Riesenpositionen loszuwerden, denn ... an wen denn?
Doch diese Verkäufe nach positiven Nachrichten ... der immer mehr abflachende Steigungswinkel der Aktienmärkte ... steigende Umsätze bei fallenden Kursen ... das deutet darauf hin, dass seit Monaten große Adressen jede Gelegenheit nutzen, um zu verkaufen. Aber beweisen lässt sich das nicht, schließlich hängt an den Orders kein Adress-Zettel. Doch nun kam die Quartalsbilanz von Goldman Sachs!
Gewinn 8,20 Dollar pro Aktie statt der im Schnitt von den Analysten erwarteten 5,20 Dollar. Der Gewinn belief sich nominal auf 4,95 Milliarden Dollar .... während der Umsatz mit 9,62 Milliarden sogar knapp unter den Prognosen blieb. Wie ist das möglich? Wie kann Goldman eine Eigenkapitalrendite erreichen, die keine andere Bank auch nur im Ansatz aufweist?
Gut, die Boni waren in diesem Gewinnausweis diesmal nicht eingerechnet, weil Goldman die noch nicht bekannt geben will. Seltsam genug. Aber nehmen wir nur mal an, das Geld fiel nicht vom Himmel. Das Handelsblatt meldete um 14:30 Uhr online: „Die Einnahmen bezifferte Goldman Sachs für das vierte Quartal 2009 auf 9,62 Mrd. Dollar, der Großteil stammte aus dem Handelsgeschäft.“
Handelsgeschäft? Also der Eigenhandel? Dort, wo ... falls Goldman ebenfalls mit dem Gratisgeld der US-Notenbank operiert hätte ... die Aktien gekauft worden wären, die die Aktienmärkte seit Juli auf einmal senkrecht steigen ließen? Wenn hier nun auf einmal ein Riesengewinn im 4. Quartal entstanden ist, dann wäre das durchaus ein sehr, sehr starkes Signal dahingehend, dass die Kurstreiber aus ihren auf Notenbank-Kredit gekauften Beständen bereits draußen sind. Dass diese Aktien aus den starken längst in die zittrigen Hände gewandert sind.
Natürlich könnte man dieses Spielchen dennoch erneut spielen, falls die Aktienmärkte zu sehr fallen sollten. Klarer Fall. Aber werden die Großbanken da erneut mitspielen? Es war zweifellos schwer genug, sich hier einen Gewinn zu sichern. Und eines sei klar unterstrichen: Dass Regierungen Börsen oben halten können, wenn sie nur wollen, ist ein Argument, auf dem sich Dauer-Bullen gerne ausruhen, wenn die Kurse langsam stagnieren. Aber 2000-2003 und 2008 haben eigentlich klar genug gemacht, dass das so einfach eben nicht hinhaut.
Wenn meine Überlegung richtig sein sollte und die „Großen“ aus ihren Beständen ausgestiegen sind, deutet das darauf hin, dass sie zumindest nicht damit rechnen, dass da nach oben noch viel geht. Und dass sie auch nicht gerade Willens sind, das Spiel erneut zu spielen. Wenn dem so ist ... hängen die Aktienmärkte jetzt nicht mehr an noch einem seidenen Faden, sondern schweben frei in der Luft wie Karl Kojote über dem Grand Canyon. Es mag sein, dass der morgige Options-Verfall noch dazu beiträgt, das Niveau zu halten. Aber ab Montag, so mein Eindruck, sollte man sich sicherheitshalber langsam wieder warm anziehen!
Mit den besten Grüßen
Ihr
Ronald Gehrt
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20 Kommentare
Ich denke, Buchgewinne gehen genau so in die Bilanz, oder täusche ich mich da?
Solange die Großbanken keine Angst haben müssen, dass ihnen das billige Spielgeld weggenommen wird, sollten die Kurse eigentlich noch weiter steigen können.
Die Regierungen sind doch praktisch kaum noch in der Lage, die Zinsen zu erhöhen, selbst wenn sie wollten. Zum einen kommt es dann unweigerlich zum Crash an den Märkten, zum anderen zur Überlastung der Staatshaushate.
Ich halte es gar nicht für unwahrscheinlich, dass wir uns schon in einer frühen Phase des Crack-up-Booms befinden.
Das stimmt ja wohl mit Sicherheit nicht. Als ob die dafür Monate bräuchten...
ich halte das Bild, dass GS und der ganze Haufen sich bei 6000Punkten eingekauft haben und bei 10600 wieder alles verkaufen für vereinfacht. Der Großteil der Geschäfte läuft vollautomatisch über Programme ab. 0,1% Gewinn nach oben mitgenommen, verkauft, short gegangen, 0,1% nach unten mitgenommen, verkauft, long gegangen...etc. Das ganze innerhalb von 3 Sekunden. Glaub nicht, dass man sehr lange braucht um aus allen Beständen rauszugehen.
Ich kann mich auch erinnern dass die US-Banken das große Geld mit dem Devisen- und Rohstoffhandel machen, nicht mal mit Aktien. Wahrscheinlich weil hier einfach die Volumina viel grösser sind.
Wenn man bedenkt, dass der Privatanleger Gebühren an die Bank, Makler, Emittent und im günstigen Fall noch Abgeltungssteuer abführen muss sowie die 1 Jahr-halten-und-verkaufen-Taktik schon längt antiquiert ist, wird klar wo das Geld herkommt. Jeder einzelne Dollar Gewinn wurde einem anderen Marktteilnehmer aus der Tasche gezogen. Damit schwächen die Großbanken indirekt die Konjunktur bzw. den privaten Konsum.
Viele ehemalige GS Mitarbeiter sitzen heute in der Regierung oder sind deren Berater. Die wussten von Obamas Bankenplänen garantiert schon bescheid und GS hat sich entsprechend postiert; da wird heute noch mal eine Milliarde Gewinn zusammen gekommen sein.
Dieses Jahr wird die Börse zwischen beidem alle paar Wochen wechseln, die perfekte Geldmaschine für Trader ohne Nerven.
Wenn der Rücksetzer nun kommen sollte = Einsteigen. Der eigentliche Crack up Boom liegt noch vor uns.
Ebenso bei den Metallen; einsteigen/nachkaufen wenn es Rücksetzer gibt.
Die sinkenden Volumen bei Krediten und M3 sind gute Argumente gegen Inflation und Crack Up Boom, das stimmt.
Aber das ist doch besonders seltsam und irgendwie unheimlich, wenn sich in einem solchen deflationären Umfeld Vermögensblasen in fast allen Anlageklassen herausbilden.
Kann natürlich gut sein, dass diese Blasen erst noch platzen, bevor es für die Staaten ernst wird, wer weiß...
So so ... und wie kommt es, das die Zahl der Aktionäre in den USA und hier stetig fallen? Und wenn angeblich alle bereits Aktien haben, wann haben sie die denn gekauft? Die Umsätze sind ja seit langer Zeit schwach! Das passt doch nicht zusammen.
Und ... Goldman braucht die Gewinne nicht zu realisieren. Buchgewinne reichen völlig für die Bilanz und Boni. Und ... Zusatzfrage: Was machen denn die Banken mit dem Geld, wenn sie jetzt z. B. ihre Gewinne realisieren würden? Anleihen zu 2 - 3 % kaufen? Ha! Für solche Renditen stehen die doch morgens gar nicht erst auf.
Irgendwann muss man doch auch Gewinne einfahren.
Vielleicht sind sie vor paar Tagen auch short gegangen?
Gewinne laufen lassen ... der Crack up Boom hat gerade erst begonnen.
Und ... was ist mit meinen anderen Fragen? Wie und wer erklärt mir die Widersprüche :-) ?
Du meinst, die halten ihre Anteile, weil der Crack Up Boom direkt um die Ecke kommt?
soooo viele Optimisten, die alle schon Aktien haben. Zahlen wie seit der 80gern nicht mehr!
Stimt nicht, 52,3% sind bullisch nach 53,3% in der Vorwoche. 60% wäre extrem. Und das hatten wir zwischendurch auch schon mal.
Die Aktionärszahlen in Deutschland sind in 2009 gestiegen, nicht gefallen ( DAI)
Wenn angeblich alle bereits Aktien haben, wann haben sie die denn gekauft?
Frage: Wer hat denn bereits Aktien)? Alle?
Das mit den geringen Umsätzen fällt mir seit Sommer schon auf.
Und der Crack up Boom läuft, ja. Ich glaube es schon. Er kommt nicht um die Ecke, er ist schon da und geht die laaange Straße herunter. Sehr viele werden ihm irgendwann dann hinterherlaufen ...
Ein Crack up Boom braucht eine Inflation, die die Flucht auslöst. Die gibt es erst, wenn es zu einer massiven ökonomischen Störung kommt und die Gütermenge schrumpft (Protektionismus gegen China oder weltweit wäre ein Anlass) Momentan produzieren wir so viele Güter, die keiner braucht.
Der Gegenpol sind allerdings die Banken, wenn die was verkaufen müssen um ihre ausgefallenen Kredite zu begleichen. Das lässt dann die Kurse runterrauschen.
Apropos, ich habs eingesehen Herr Meyer, Geld kann schon weniger werden, wenn die Kurse sinken, eben dann wenn die Banken die Verkäufer sind!
Wenn es also zu weiteren Kreditausfällen kommt, ist es die Frage was die Banken als nächstes verhökern. - Oder - setzt z.B. Obama die Banken unter Druck und will sein Geld zurück, könnten die gerade Staatsanleihen verkaufen um so für den Staat die Zinsen hochzutreiben, damit dieser seinerseits gezwungen wird von seine Forderungen abzulassen. Das ist natürlich reine Spekulation !!!
Diese Anstiege im letzten Quartal 2009 waren auch zu unverständlich, als dass die nicht korrigiert würden. Strenggenommen war auch der Anstieg vom Juli 2009 die Leistung des Heiligen Geistes oder sowas.
Die crack up - boomer mögen noch mal über das Geld nachdenken. Es wird nicht untergehen. Die Krise wird in absehbarer Zeit bewältigt werden. Korrekturen gab es immer und dies, egal, wie stark sie ausfällt war logisch. Das wird schon wieder. Die GD 200 ist irgendwo bei 5300. Um nur etwas leichte Unruhe zu schaffen, müßte die schon brechen. Abwarten und Tee trinken.
Natürlich fehlen für einen Crack up Boom noch ein auslösendes Ereignis, die Flucht aus den Staatsanleihen und starke Inflation. Aber das wären schon Symptome einer fortgeschrittenen Phase, die schließlich in der finalen Phase von allgemeiner Panik abgelöst wird. Eine Vermögensblase in einem deflationären Umfeld ist durchaus ein geeignetes Vorspiel zu dem ganzen und würde bedeuten, dass die meisten Leute erst viel zu spät dabei wären.
Ich halte das zumindest für ein denkbares Szenario, aber natürlich bleibt Vorsicht so oder so oberstes Gebot.
@ Michael
Sicherlich denken wir über das Geld nach, vielleicht sogar zu viel. Und dabei erkennt mann eben, das bislang jede Währung außer EM früher oder später zusammenebrochen ist. Und immer haben die Leute geglaubt, diesmal sei es alles anders...
http://www.frbsf.org/education/activities/chairman/index.html
Die FED weiß genau, was kommen wird. Spiel einfach mal durch, was hohen Ölpreisen und niedrigen Zinsen passiert. Und laß die Zinsen mal zu lange zu tief.
So mancher Wissenschaftler wird sehr bald ernüchtert werden. Denn ab Jan. 10 sind die Inflationsraten auch in der € - Zone höher als der Leitzins.
Die Folgen vermittelt dieses Spiel auf sehr einfache, richtige und auch anschauliche Weise.
lustiges game. wir haben jetzt ja schon einige monate mit niedrigen zinsen hinter uns... da vermiss ich was im real life...