| « US-Banken bald filetiert, Goldpreis neu interpretiert | Geld. Und das was bleibt... » |
Alarm!
von Ronald Gehrt
Ich gebe selten konkrete Prognosen für die Zukunft ab. Denn wir haben oft genug gesehen, dass selbst glasklare Vorgaben der fundamentalen Lage ebenso wie klare charttechnische Kauf- oder Verkaufssignale, selbst, wenn sie vom Sentiment, der Markttechnik und diversen Berufsorakeln unterstützt werden, dennoch nicht wirken, sondern das Gegenteil passiert. Da halte ich es dann doch lieber wieder mit der Kursentwicklung selbst und folge dem, was sie vorgibt...
Follow up:
Da ich meinen Börsendienst dazu wieder strikt an das Handelsystem SYSTEM22 gekoppelt habe, kann ich mir den Blick in die Nebel der Zukunft somit eigentlich sparen. Aber heute tue ich es dennoch – und gebe Alarmstufe dunkelrot aus!
Wobei ich es eigentlich gar nicht freiwillig tue. Die rote Warnflagge wurde mir heute Schlag 14 Uhr direkt vor die Nase gehalten, ich gebe somit nur weiter, was ich da zu sehen bekam: Die Quartalsbilanz von Goldman Sachs. Aber der Reihe nach.
Warum ist die Lage am Aktienmarkt denn überhaupt kritisch? Läuft doch alles so nett. Gefühlt zumindest, wenn man Bulle ist. Denn eigentlich sind zumindest Dow Jones und Dax seit Weihnachten überhaupt nicht gelaufen. Aber wie gesagt, die Kursentwicklung kann Wochen und Monate die Veränderungen der Rahmenbedingungen ignorieren – einfach, weil die Mehrzahl derer, die aktiv handeln, diese Veränderungen nicht wahrnehmen können ... z.B. weil in den Medien rosa gemalt wird, was in Wahrheit grau ist ... oder sie nicht wahrnehmen wollen. Weil sie ihre Ansichten von ihrem Depotbestand ableiten. Wer Long ist, denkt Long. Wer Short ist, denkt Short. Und jemanden davon abzubringen, bedarf es viel. Vor allem viel Verlust. Welche Belastungen hatten wir, bevor Goldman Sachs – möglicherweise – tief blicken ließ?
---> Während die Aktienmärkte in den letzten Monaten oben blieben, hat sich die konjunkturelle Erholung aus dem 3. Quartal, durch zahllose Anreize und Stützungsprogramme befeuert, im 4. Quartal in eine trübe Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau verwandelt. Die großen Wachstumserwartungen, die allgemein propagiert werden, sind in meinen Augen mehr als überzogen. Vielmehr halte ich einen Rückfall in eine konjunkturelle Schrumpfung für Europa und die USA für recht wahrscheinlich.
---> Das Sentiment wurde immer bullisher, auch, wenn die Kurse weitaus langsamer stiegen als im 3. Quartal. Was typisch ist für eine nahende Wendephase. Der Bärenanteil in einigen Bereichen – vor allem im Bereich der Privatanleger und Börsenbriefe – fiel auf Niveaus, wie sie seit den 80er Jahren nicht erreicht wurden.
---> Zugleich aber gingen die Umsätze bei steigenden Kursen immer mehr zurück, was normalerweise ein Hinweis darauf ist, dass eine Bärenmarktrallye (so riesig sie auch ist) an Kraft verliert. An Tagen mit fallenden Kursen hingegen waren die Umsätze hingegen fast immer recht hoch. Interessant in diesem Zusammenhang war auch, dass neue Hochs nur für sehr kurze Kaufwellen sorgten, dann aber sofort Verkaufsdruck aufkam. Ein für einen Aufwärtstrend sehr ungesundes Bild.
---> Seit Anfang Dezember ist die Euro/Dollar-Relation aus ihrem sonst recht zuverlässigen Gleichlauf mit den Aktienmärkten ausgeschieden und fällt. Ein steigender Dollar ist oft ein Signal dafür, dass sich große Adressen defensiver positionieren. Auch wichtige Rohstoffe wie Rohöl liefen nicht mehr mit nach oben.
---> Die Hoffnungen, dass die Regierungen die Lage in den Griff bekommen werden, sind verschwunden. Die Akzeptanz von Obama und Merkel ist im freien Fall. Ob zu Recht oder nicht, sei dahingestellt ... aber es zeigt, dass die Menschen ernüchtert sind – weil man ihnen zuvor zu große Hoffnungen gemacht hatte. Das Verbrauchervertrauen, nach wie vor auf ohnehin tiefem Niveau, kommt seit dem Spätsommer nicht mehr vom Fleck. Normalerweise laufen Verbrauchervertrauen und Aktienmärkte relativ parallel. Diesmal aber war der Aktienmarkt voran geprescht.
---> Die bisherigen Quartalsergebnisse der US-Unternehmen zeigen bis jetzt ein Unentschieden zwischen übertroffenen und verfehlten Prognosen. Dabei waren es vor allem wieder die Umsätze, die nicht mit den Wachstumserwartungen der Analysten mithalten konnten. Noch ist hier ob der bisher wenigen auf dem Tisch liegenden Zahlen absolut kein Gesamtbild auszumachen. Aber immens auffällig ist, dass sogar klar überbotene Prognosen wie bei Intel oder IBM nach kurzem Anstieg kurz danach zu auffälligen Verkäufen der jeweiligen Aktie führten. „Sell on good news“ ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die Aufwärtsbewegung der Märkte immer wackliger wird.
---------> Seite 2 ------->Seiten: 1 · 2
20 Kommentare
Ich denke, Buchgewinne gehen genau so in die Bilanz, oder täusche ich mich da?
Solange die Großbanken keine Angst haben müssen, dass ihnen das billige Spielgeld weggenommen wird, sollten die Kurse eigentlich noch weiter steigen können.
Die Regierungen sind doch praktisch kaum noch in der Lage, die Zinsen zu erhöhen, selbst wenn sie wollten. Zum einen kommt es dann unweigerlich zum Crash an den Märkten, zum anderen zur Überlastung der Staatshaushate.
Ich halte es gar nicht für unwahrscheinlich, dass wir uns schon in einer frühen Phase des Crack-up-Booms befinden.
Das stimmt ja wohl mit Sicherheit nicht. Als ob die dafür Monate bräuchten...
ich halte das Bild, dass GS und der ganze Haufen sich bei 6000Punkten eingekauft haben und bei 10600 wieder alles verkaufen für vereinfacht. Der Großteil der Geschäfte läuft vollautomatisch über Programme ab. 0,1% Gewinn nach oben mitgenommen, verkauft, short gegangen, 0,1% nach unten mitgenommen, verkauft, long gegangen...etc. Das ganze innerhalb von 3 Sekunden. Glaub nicht, dass man sehr lange braucht um aus allen Beständen rauszugehen.
Ich kann mich auch erinnern dass die US-Banken das große Geld mit dem Devisen- und Rohstoffhandel machen, nicht mal mit Aktien. Wahrscheinlich weil hier einfach die Volumina viel grösser sind.
Wenn man bedenkt, dass der Privatanleger Gebühren an die Bank, Makler, Emittent und im günstigen Fall noch Abgeltungssteuer abführen muss sowie die 1 Jahr-halten-und-verkaufen-Taktik schon längt antiquiert ist, wird klar wo das Geld herkommt. Jeder einzelne Dollar Gewinn wurde einem anderen Marktteilnehmer aus der Tasche gezogen. Damit schwächen die Großbanken indirekt die Konjunktur bzw. den privaten Konsum.
Viele ehemalige GS Mitarbeiter sitzen heute in der Regierung oder sind deren Berater. Die wussten von Obamas Bankenplänen garantiert schon bescheid und GS hat sich entsprechend postiert; da wird heute noch mal eine Milliarde Gewinn zusammen gekommen sein.
Dieses Jahr wird die Börse zwischen beidem alle paar Wochen wechseln, die perfekte Geldmaschine für Trader ohne Nerven.
Wenn der Rücksetzer nun kommen sollte = Einsteigen. Der eigentliche Crack up Boom liegt noch vor uns.
Ebenso bei den Metallen; einsteigen/nachkaufen wenn es Rücksetzer gibt.
Die sinkenden Volumen bei Krediten und M3 sind gute Argumente gegen Inflation und Crack Up Boom, das stimmt.
Aber das ist doch besonders seltsam und irgendwie unheimlich, wenn sich in einem solchen deflationären Umfeld Vermögensblasen in fast allen Anlageklassen herausbilden.
Kann natürlich gut sein, dass diese Blasen erst noch platzen, bevor es für die Staaten ernst wird, wer weiß...
So so ... und wie kommt es, das die Zahl der Aktionäre in den USA und hier stetig fallen? Und wenn angeblich alle bereits Aktien haben, wann haben sie die denn gekauft? Die Umsätze sind ja seit langer Zeit schwach! Das passt doch nicht zusammen.
Und ... Goldman braucht die Gewinne nicht zu realisieren. Buchgewinne reichen völlig für die Bilanz und Boni. Und ... Zusatzfrage: Was machen denn die Banken mit dem Geld, wenn sie jetzt z. B. ihre Gewinne realisieren würden? Anleihen zu 2 - 3 % kaufen? Ha! Für solche Renditen stehen die doch morgens gar nicht erst auf.
Irgendwann muss man doch auch Gewinne einfahren.
Vielleicht sind sie vor paar Tagen auch short gegangen?
Gewinne laufen lassen ... der Crack up Boom hat gerade erst begonnen.
Und ... was ist mit meinen anderen Fragen? Wie und wer erklärt mir die Widersprüche :-) ?
Du meinst, die halten ihre Anteile, weil der Crack Up Boom direkt um die Ecke kommt?
soooo viele Optimisten, die alle schon Aktien haben. Zahlen wie seit der 80gern nicht mehr!
Stimt nicht, 52,3% sind bullisch nach 53,3% in der Vorwoche. 60% wäre extrem. Und das hatten wir zwischendurch auch schon mal.
Die Aktionärszahlen in Deutschland sind in 2009 gestiegen, nicht gefallen ( DAI)
Wenn angeblich alle bereits Aktien haben, wann haben sie die denn gekauft?
Frage: Wer hat denn bereits Aktien)? Alle?
Das mit den geringen Umsätzen fällt mir seit Sommer schon auf.
Und der Crack up Boom läuft, ja. Ich glaube es schon. Er kommt nicht um die Ecke, er ist schon da und geht die laaange Straße herunter. Sehr viele werden ihm irgendwann dann hinterherlaufen ...
Ein Crack up Boom braucht eine Inflation, die die Flucht auslöst. Die gibt es erst, wenn es zu einer massiven ökonomischen Störung kommt und die Gütermenge schrumpft (Protektionismus gegen China oder weltweit wäre ein Anlass) Momentan produzieren wir so viele Güter, die keiner braucht.
Der Gegenpol sind allerdings die Banken, wenn die was verkaufen müssen um ihre ausgefallenen Kredite zu begleichen. Das lässt dann die Kurse runterrauschen.
Apropos, ich habs eingesehen Herr Meyer, Geld kann schon weniger werden, wenn die Kurse sinken, eben dann wenn die Banken die Verkäufer sind!
Wenn es also zu weiteren Kreditausfällen kommt, ist es die Frage was die Banken als nächstes verhökern. - Oder - setzt z.B. Obama die Banken unter Druck und will sein Geld zurück, könnten die gerade Staatsanleihen verkaufen um so für den Staat die Zinsen hochzutreiben, damit dieser seinerseits gezwungen wird von seine Forderungen abzulassen. Das ist natürlich reine Spekulation !!!
Diese Anstiege im letzten Quartal 2009 waren auch zu unverständlich, als dass die nicht korrigiert würden. Strenggenommen war auch der Anstieg vom Juli 2009 die Leistung des Heiligen Geistes oder sowas.
Die crack up - boomer mögen noch mal über das Geld nachdenken. Es wird nicht untergehen. Die Krise wird in absehbarer Zeit bewältigt werden. Korrekturen gab es immer und dies, egal, wie stark sie ausfällt war logisch. Das wird schon wieder. Die GD 200 ist irgendwo bei 5300. Um nur etwas leichte Unruhe zu schaffen, müßte die schon brechen. Abwarten und Tee trinken.
Natürlich fehlen für einen Crack up Boom noch ein auslösendes Ereignis, die Flucht aus den Staatsanleihen und starke Inflation. Aber das wären schon Symptome einer fortgeschrittenen Phase, die schließlich in der finalen Phase von allgemeiner Panik abgelöst wird. Eine Vermögensblase in einem deflationären Umfeld ist durchaus ein geeignetes Vorspiel zu dem ganzen und würde bedeuten, dass die meisten Leute erst viel zu spät dabei wären.
Ich halte das zumindest für ein denkbares Szenario, aber natürlich bleibt Vorsicht so oder so oberstes Gebot.
@ Michael
Sicherlich denken wir über das Geld nach, vielleicht sogar zu viel. Und dabei erkennt mann eben, das bislang jede Währung außer EM früher oder später zusammenebrochen ist. Und immer haben die Leute geglaubt, diesmal sei es alles anders...
http://www.frbsf.org/education/activities/chairman/index.html
Die FED weiß genau, was kommen wird. Spiel einfach mal durch, was hohen Ölpreisen und niedrigen Zinsen passiert. Und laß die Zinsen mal zu lange zu tief.
So mancher Wissenschaftler wird sehr bald ernüchtert werden. Denn ab Jan. 10 sind die Inflationsraten auch in der € - Zone höher als der Leitzins.
Die Folgen vermittelt dieses Spiel auf sehr einfache, richtige und auch anschauliche Weise.
lustiges game. wir haben jetzt ja schon einige monate mit niedrigen zinsen hinter uns... da vermiss ich was im real life...