| « Volkes Stimme | Was die Sterne nicht sagen... Ausblick 2010 » |
2010 - Im Auge des Hurrikans
„Man muss sich von dem Gedanken frei machen, dass unsere wirtschaftlichen Probleme mit Theorien, Regeln und Formeln angefasst werden können.“
(Hjalmar Schacht, deutscher Bankier, 1877-1970)
Während das Bankgeschäft einige hundert Jahre lang „auf dem Vertrauen in die Redlichkeit und in die Zahlungsfähigkeit des Geschäftspartners beruhte“, so Hjalmar Schacht, und „der Bankier sich eine genaue Kenntnis des Charakters, des Vermögens und der Tüchtigkeit seines Kunden beschaffen musste“, hat sich dieses mit der verpflichtenden Verwendung von mathematischen Risikomodellen im Zuge der Einführung der Basel-I-Eigenkapitalvorschriften 1988 komplett geändert. Nach Aussage der Deutsche Bundesbank war es dabei ein „wesentliches Ziel, die Kapitalanforderungen an Banken stärker als bisher vom eingegangenen Risiko abhängig zu machen.“ Doch mithilfe der dafür entwickelten mathematischen Modelle wurden diese Risiken von den Banken so kleingerechnet (oder in Zweckgesellschaften ausgelagert), dass sie darüber jene gigantischen Kredithebel aufbauten, mit denen sie sich schließlich selbst und das Finanzsystem in den Ruin treiben konnten, denn ... die wirkliche Welt weigerte sich einfach, diesen Modellen zu folgen.
Denn, nachdem z.B. die Immobilienpreise in sämtlichen Regionen der USA über mehrere Jahre (1997-2006: +83%) nur stiegen, kamen die Risikomodelle selbst noch 2006 – auf dem Höhepunkt der Immobilienspekulation! – zu dem unglaublich sinnvollen Ergebnis, dass es mit nahezu 100%iger Wahrscheinlichkeit keine Risiken mehr gibt, weil es in der Vergangenheit keine Risiken gab. „Mathematik ist“, nach Albert Einstein, eben „die perfekte Methode, sich selbst an der Nase herum zu führen.“
Auch Bundesbank-Chef Prof. Dr. A. Weber scheint inzwischen erkannt (LINK) zu haben, dass über eine ausgeweitete Regulierung keine Besserung im System erzielt werden kann. „Man darf nicht erwarten, dass Regulierer weitsichtiger sind als das Risikomanagement der Banken, dafür werden sie nicht bezahlt!“ Aber obwohl es Regulierern offensichtlich an der nötigen Weitsichtigkeit fehlen muss, verordnen sie unverändert die Anwendung dieser unbrauchbaren „Try & Try“ Risikomodelle.
Und, obwohl nach Worten von Prof. Dr. A. Weber „Transparenz eine entscheidende Voraussetzung für Finanzstabilität“ (12.10.2007) ist, hat sich seine damals zugleich geäußerte Idee, die Banken nach der Krise nur ja nicht mit „Transparenzübungen zu überfordern“ durchgesetzt.
So wurde die Bilanzierung zu Marktpreisen (fair value) (LINK) für Banken als Vertrauen entziehender und verlustverstärkender Effekt auserkoren und … mit einem Federstrich abgeschafft! Denn ohne diesen Schritt hätten die Banken ja sofort erklären müssen, weshalb und in welcher Höhe sie die Spareinlagen der Kunden an den Finanzmärkten verspekuliert haben, statt ausschließlich ihrer Aufgabe nachzukommen, Kredite an die Wirtschaft zu vergeben! Doch zugunsten einer (Schein)Solvenz, wieder sprudelnder (Schein)Gewinne und sofort fälliger (realer) Boni wurde dem Finanzsektor als erste Regulierungsmaßnahme nun … die Bilanzfälschung gesetzlich verordnet.
„Ganz großes Kino“ als Lehre aus der Krise bietet auch der für Bankenbilanzierung zuständige Baseler Ausschuss, dem Notenbanker und Finanzaufseher aus 27 Industrie- und Schwellenländern angehören. Dieser drohte dem Finanzsektor mit deutlich schärferen Eigenkapitalvorschriften und lässt die Banken jetzt ... Loblieder anstimmen. Für frühestens 2012 kündigten die selbst ernannten Lobbyisten (LINK) nun Maßnahmen inkl. Übergangsfristen an, die allerdings „eine gesicherte Erholung der Weltwirtschaft“ (?!) als erfüllte Bedingung voraussetzen. Würde die im Mai 2009 verabschiedete europäische Kapitaladäquanzrichtlinie die Grundlage für die möglichen Fristen bilden, könnten die Banken zehn Jahre (!) lang … weiter machen wie bisher, um sich dann bis 2040 (!) mit den neuen Regeln – gewohnt kreativ – anzufreunden.
Aber vielleicht besteht ja doch noch ein Funken Hoffnung in eine erfolgreiche Regulierung. „Mit der neuen Fassung der MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten) trägt die BaFin den Erkenntnissen aus der Finanzmarktkrise Rechnung“ (BaFin, 14.08.09) und verordnete mit Frist zum 31.12.2009 allen deutschen Finanzinstituten „die von Ihnen betriebenen Geschäftsaktivitäten zukünftig zu verstehen.“ (Teil AT 8). Für die großen deutschen Landesbanken ohne (LINK) tragfähiges Geschäftsmodell, die jetzt sogar verstehen müssen, dass sie als systemrelevant auserkorene Spielhöllen deutscher Provinzpolitiker mit Steuergeldmilliarden spekulieren, bedeutet das natürlich die Höchststrafe.
-----> Seite 4 ----->11 Kommentare
Heute sind wir endlich weiter: beide kreisen um die Banken. ;-)
Sehr schöner Artikel!
Vielen Dank!!!
Stellen Sie sich mal vor, ein kompetenter Anlageberater sagt offen und ehrlich; "Zinseszinssysteme funktionieren halt nur 60 Jahre. Im darauf folgendem Chaos geht ihre Rentenversicherung sowieso den Bach runter".
Unter den erfolgreichen Fondsmanagern konnte nur ein einziger keine Inkompetenz nachweisen. Gab 150 Jahre Haftstrafe. Bekommt der Rest 150 Jahre wegen Krimineller Inkompetenz - wer bleibt dann noch übrig? Nur Joseph Ratzinger und Lloyd Blankfein stehen über den weltlichen Gerichten.
Wenn wir da mal nicht vom Regen in die Traufe kommen.
Es wird wohl Zeit, sein "Notfall-Päckchen" zu packen
Zitat: "in debt we trust"
...einfach Klasse!!! ;-)
Mal so übertragen auf die menschliche Gesundheit hieße das:
Wenn da jetzt 50 bist und bisher noch keinen Krebs hattest, kriegst du
mit nahezu 100%iger Wahrscheinlichkeit keinen mehr! Toll !! solche Leute braucht die Welt!
"Die jedoch historisch größte Blase spielt sich unverändert in dem immer noch nicht verbotenen OTC-Derivate-Casino ab, wo die steuergeldgestützte Finanzindustrie mit der „Kleinigkeit“ von nur 604.622.000.000.000 USD (+10,5% ggü. 31.12.2008!) auf die Pleite von Unternehmen oder Staaten, Devisen- oder Zinsänderungen wettet."
Wenn es eine Wette ist, gibt es immer
zwei die wetten, ist es dann nicht ein
Nullsummenspiel ?
Bitte um Aufklärung?
Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: 2010 wird ein gutes Konjunkturjahr für die deutsche Wirtschaft. Wir rechnen mit einem Wachstum von 2,8 Prozent, und im Jahresdurchschnitt mit 3,67 Mill.Arbeitslosen.
Mach vor Freude gleich noch ne Selter auf. Prost !
Wünsche Euch für 2010 Gesundheit, und alles was Spaß macht.
Zitat: Wenn es eine Wette ist, gibt es immer zwei die Wetten, ist es dann nicht ein Nullsummenspiel ?
Wenn wir zwei um €10.- Wetten und ich gewinne, habe ich 10.- mehr und Sie 10 weniger. Gesamt gesehen, quasi ein Nullsummenspiel, es wurde nur umverteilt.
Wenn Sie die 10.-, die Sie verloren haben aber nicht haben, müssen Sie einen Kredit aufnehmen- somit nix mehr Nullsummenspiel.
Bei AIG haben wir gesehen, dass es eben kein Nullsummenspiel ist, sondern der Staat einspringen musste, weil AIG die verlorenen Wetten nicht bezahlen konnte. Ist aber nur meine bescheidene Laienmeinung.
Spiegelt auch meine Meinung wieder.
Da kommt noch viel schlimmes auf uns zu.