Archiv für: April 2008
Die letzten Böller der FED
Wie erwartet nahm die US-Notenbank die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte auf zwei Prozent zurück. Die Munition ist fast verbraucht, für ein paar vielleicht sogar harmlose Schüsse in der Not reicht es aber noch. Wäre ich Ben Bernanke und liefe Gefahr, die Kontrolle über Zins und Zinseszins zu verlieren, manche meinen ja, er hätte die Kontrolle verloren, ich würde höchstens noch dreimal schießen, aber nicht die magische Ein-Prozent-Marke des alten Greenspan antasten.
Goldschiff ahoi (Gastbeitrag von Hans Jörg Müllenmeister)
.... meist kommt es nach einem Etappensieg beim Gold zu einer mysteriösen Beunruhigungsphase. Fast scheint es wie ein Ritual. Anfangs wollen die Bullen das kaum wahr haben. Sie verdrängen alle Gedanken, die beim Gold den Rückwärtsgang einlegen wollen. Erst nach Wochen wagen sich die ersten Gemüter zaghaft aus ihrer Meinungsfestung und verkünden "es könnte wohl noch etwas länger dauern" mit dem Marsch zum erträumten Gipfel. Inzwischen ist aber Gold bereits gehörig abgerutscht im Jammertal.
Der Preis verkommt von Tag zu Tag. Bei kurzen scharfen Zwischenanstiegen flammt die Euphorie wieder auf. Und dann... die Ersten haben viel Geld verloren mit Ihren Wetten auf weitere Kursgewinne. Enttäuscht oder schmollend, je nach Gemüt und Dicke ihrer Geldbörse, zieht sich die erste Reihe der eilfertigen Goldwanderer zurück. Ihnen schmerzen die Füße vor lauter Blasen. Gold verliert weiter an Boden. Schon hänselt man Gold als verstoßenes Kellerkind. Die Stimmung schlägt um. Enttäuschung macht sich breit wie eine ausgewalzte Goldfolie. Jetzt verkünden die ersten selbstherrlichen Profis, dass sich Gold ja wohl eine längere Verschnaufpause gönnen dürfe. Das hätte man ja schon damals gesagt und auch schon ankommen sehen.
Und was zeigt in der "goldlosen Zeit, der Schrecklichen" das goldumrandete Fieberthermometer? Der Goldchart wackelte wie ein Lämmerschwanz, anfangs in einer breiten Zone, dann aber in immer engeren Ausschlägen. Das Goldschiff tanzt indes im wogenden Börsenmeer auf und ab. Viele ungebetene Lotsen hieven sich an Bord und verursachen einen schwindelerregenden Schlingerkurs: Mägen nebst Börsenparkett leeren sich. Im fernen New York registrieren die FED-Reeder argwöhnisch jede abweichende Schiffsbewegung auf ihrem dollargrünen Radarschirm.
Monate der Ungewißheit vergehen. Durch die karge und einseitige Börsenkost sind viele Goldzähnchen skorbutgeschädigt. Sie wackeln. Reihenweise fallen sie mit dem Goldpreis, aber aus. Derweil laben sich Silberfischchen in der Kombüse an modrigen Goldpapieren.
Ein kreischender Schwarm Silbermöven fällt saft- und kraftlos auf Oberdeck. Quälender Müßiggang im Goldkurs. Schließlich erkennen die Profis an Bord in der Ferne die berühmt-berüchtigte Spitze des Bermuda-Dreiecks. Das Goldschiff segelt mit wenigen Kurskorrekturen müde plätschernd dahin. Sturm & Braus haben sich gelegt. Eine Flaute macht sich behäbig breit. Dösend liegt die Mannschaft apathisch in den Seilen. Da plötzlich: ein frischer Herbstwind zieht auf und bläht die Segel mächtig auf. Zügig gewinnt das Goldschiff wieder an Fahrt. Neues buntes Leben regt sich an Bord. Schiff ahoi ! Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.
Gut schlafen mit Anleihen?
Während alle auf die Aktienmärkte schauen, beginnen die weltweiten Renditen am Anleihemarkt seit ein paar Wochen kräftig zu steigen. Im Gegenzug fallen die Kurse der Anleihen. Es könnte der Beginn einer viel größeren Bewegung sein, mit fatalen Folgen. Die Umlaufrendite schnellte binnen vier Wochen von 3,6 auf 4,3% hoch. Wer vor ein paar Wochen Staatsanleihen kaufte, hat heute schon einen Verlust. Es bedeutet auch, dass Anleger jetzt wegen steigender Inflation mehr Rendite fordern. Gleiches Bild in Amerika und regelrechtes Chaos am letzten Freitag in Japan. Dort wurde der Handel mit Anleihen kurzzeitig ausgesetzt, nachdem neue Inflationszahlen die Kurse abstürzen ließen. Mit offiziellen 1,2% ist Nippons Teuerung so stark gestiegen wie seit zig Kirschblütenfesten nicht mehr.
Ich frage mich aber seit geraumer Zeit, wer dem Staat sein Geld zu solch aberwitzig niedrigen Zinsen borgt. Mir scheint es ein schlechtes Geschäft zu sein, über Zinsen weniger einzunehmen, als es die reale Teuerung wieder auffrisst. Wer sind diese Investoren? Zunächst sind es diejenigen, die glauben, dass ihr Geld in diesem Markt sicher ist. Dazu gesellen sich Länder wie China und Singapur, die ihre gewaltigen Überschüsse irgendwo unterbringen müssen. Und auch die großen Pensions - und Rentenfonds, die als Sammelstelle für Kleinsparerkapital sind hier unterwegs. Die meisten haben ihrem Klientel einen auskömmlichen Altersstand versprochen.
Der weltweite Anleihemarkt ist inzwischen auf ca. 75 Billionen USD (75.000.000.000.000) angewachsen. Bewegen sich die Kurse der Anleihen nur um ein einziges Prozent, geht es schon mal um schlappe 750 Mrd. USD mehr oder weniger. Kein Wunder, dass man diesen Markt nicht nur verbal pflegt. Auch das in die deutschen Riesterprodukte geflossene Geld parkt zum großen Teil im Anleihemarkt. Niedrige Zinsen und hohe Inflation könnten aber später dazu führen, dass unterm Strich eine recht hübsche Summe herauskommt, die dann aber versteuert gerade noch ein paar Reistüten kauft. Doch wer macht sich darüber schon Gedanken? Einem geschenkten Gaul (staatliche Zuschüsse) schaut man eben nicht ins Maul.
Über steigende Inflationsraten freuen sich aber weltweit die Finanzminister. Deutschland hat offiziell 1,5 Billionen Euro Schulden. Bei einer gefühlten Inflationsrate von sagen wir mal sieben Prozent, würde sich der Staat so auf die kalte Art jährlich um 100 ca. Mrd. Euro "entschulden". Zwar wachsen die Gesamtschulden auf dem Papier weiter an, doch rechnet man die schwindende Kaufkraft des Geldes dagegen, sind die Schulden auch jährlich wesentlich weniger "wert". Da die Schulden wie in einem Schneeballsystem immer wieder mit neuen Schulden "refinanziert" werden, sind vor allem niedrige Zinsen und eine höhere Teuerung Voraussetzung für eine Fortsetzung dieser gängigen Praxis. Auf diese Art und Weise würde sogar eine "Entschuldung" gelingen. Und man braucht natürlich auch genügend Käufer dieser "sicheren Anlagen". Durch Fonds, Pensionskassen und andere Einrichtungen wie Riester, Rürup & Co. ist dafür noch gesorgt, auch genügend Abnehmer zu finden. Irgend jemand wird die Zeche bezahlen. Am besten alle.
Dass die USA unter ihrer Schuldenlast noch nicht kollabiert sind, liegt eben an diesem System. Die Teuerung dort drüben liegt eher über 10 Prozent (Teuerung = Geldmengenwachstum minus BIP) und die Renditen am Anleihemarkt sind weiter mickrig. Man glaubt noch den offiziellen Inflationsraten. Zudem kann man die neuen Schulden noch den ausländischen Investoren aufs Auge drücken. Solange diese sich mit Renditen von aktuell 3,8% zufriedengeben, dreht sich das Schuldenkarusell weiter. Man braucht eben immer einen Dummen, der das finanziert.
Aber die Rentenmärkte drohen aber gerade jetzt mit steigenden Renditen. Die Refinanzierung wird teurer. Wie teuer? Das hängt damit zusammen, wieviel neue Schulden die Staaten machen wollen (müssen), wieviel Prozente die neuen Schulden kosten und ob es auch weiterhin genügend Käufer gibt, die im Anleihemarkt den "sicheren Hafen" sehen.
Gerne schicke ich Sie an dieser Stelle nach ENTENHAUSEN wenn Sie sich die noch viel hübscheren Pfandbriefe & Co anschauen wollen. Dagobert Duck hätte eine andere Anlagestrategie.
Die U.S.Mint funkt S.O.S.

Diesen Satz sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen:
“The unprecedented demand for American Eagle silver bullion coins necessitates our allocating these coins on a weekly basis until we are able to meet demand”
Die Nachfrage nach Silber Eagles bricht also alle Rekorde und kann nun nicht mehr vollständig befriedigt werden. Nachdem der Bezug von Silber Eagles der U.S. Mint für 4 Wochen nicht möglich war, hat man an diesem Montag mit limitierten Verkäufen begonnen. Doch die Zuteilung wird rationiert. Man spricht von einer noch nie da gewesenen Nachfrage nach Silver Eagles. Die Zahlen belegen das. So wurden zwischen Januar und April 5,7 Mio Silber Eagles verkauft, mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr. Allein im April wurden 1,4 Mio. Unzen verkauft. Rekord. Die Produktion belief sich im letzten Jahr auf 10 Mio. Unzen. Auch in Kanada kommt es immer wieder zu Lieferverzögerungen. Von der Münze in Australien hört man ähnliches. Doch seltsam: Silber steht an den Papiermärkten stark unter Druck, die starke physische Nachfrage spricht jedoch eine völlig andere Sprache.
Verkäufe der U.S. Mint Link zur US Mint
Jan. bis April 2008 5,65 Mio. Unzen
Jan. bis April 2007 2,61 Mio. Unzen
Jan. bis April 2006 4,56 Mio. Unzen
Jan. bis April 2005 2,73 Mio. Unzen
Jan. bis April 2004 3,70 Mio. Unzen
Jan. bis April 2003 4,09 Mio. Unzen
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übrigens, wer keinen Durchblick hat, braucht einen Scheibenwischer

Wie geht es eigentlich...... Gold & Silber?
Ruhe im Karton! Die Experten streiten sich gerade wieder darüber, wohin die Edelmetallkurse laufen könnten. Die einen, die mit offiziellen Statistiken rechnen meinen, der Realzins wird steigen und Gold wird fallen. Die anderen legen unfrisierte Zahlen zugrunde und sind sich sicher, dass die Realzinsen so negativ sind, dass Gold und Silber weiter steigen müssen. Eins wissen wir aber genau – dass es niemand wirklich weiss und dass diejenigen, die mit realen Zahlen rechnen, weiter Oberwasser haben. Der Krach ist aber bisweilen auch recht unterhaltsam. Sie wissen ja, drei Experten bringen immer sechs Meinungen zustande. Wozu nicht selbst eine eigene Meinung basteln, ausgehend von Angebot und Nachfrage. Das ist gar nicht so schwer.
Doch manchmal ist es schon nervig, wenn man sich die Meinungen der Leute anhört, die sich gerade als Experten der Edelmetalle präsentieren. Zunehmend sind es auch die, die zu jedem Markt etwas sagen und selten recht bekamen. Gestern noch schwadronierten sie über Aktien, Zertifikate und den Rest der anderen Anlageklassen, heute schon sind sie die Experten für Edelmetalle. Wären gerade saure Gurken, Katzenhaar und Daxxe in Aspik en vougue, ich wette, sie würden ihren Senf auch dazu verkleckern. Doch erst einmal ist Ruhe in den Markt Markt gekommen, die Metallpreise erleben zwar die üblichen Angriffe der Bären und die Hörner der Bullen. Doch unterm Strich tut sich recht wenig.
Durchatmen im Sommer
Wir schreiben April 2008. Für ein paar Monate scheint das Beste erst einmal hinter den Gold– und Silberbugs zu liegen. Die Edelmetalle haben den Aktien wieder einmal die lange Nase gezeigt und liegen im Plus. Die Preise pendeln in recht weiten Bahnen. Gold turnt zwischen sieben und zwölf Prozent unter seinem Allzeithoch herum, Silber will nach dem 30%-Rutsch die 17-er Dollar-Marke (noch) nicht loslassen. Doch was ist der Dollar überhaupt noch wert? In Euro gerechnet sind Gold und Silber nicht so stark gestiegen, dafür auch nicht so stark gefallen. Ein weiterer Rutsch der Preise käme den wenigen großen Adressen an der Rohstoffbörse COMEX recht. Sie sind mit ca. 300 Mio. Unzen short, einer Menge, die nirgends auf der Welt geliefert werden könnte und eine Position, aus der die Jungs nie mehr herauskommen. An der COMEX liegt nicht einmal das auf Lager. Irgendwann einmal werden diese Shorties die Gekniffenen sein. Wenn ihnen der Preis wegläuft und sich die Verluste in Milliardenhöhe auftürmen, werden sie wohl vom Dach springen. Irgendwann. Und das wissen die „Bugs“.
Gold will nicht fallen – das britische Empire schon.
Die Nachricht des Internationalen Währungsfonds (IWF), sich von 400 Tonnen seiner Bestände trennen zu müssen, hat dem Goldmarkt nicht wirklich einen Schlag versetzen können. Zu oft wurde das schon medienwirksam angekündigt. Beim heutigen Goldpreis brächte der Verkauf gerade mal 7 Mrd. Euro in die Kasse. Diese Summe verzockt eine deutsche Landesbank in einem Jahr. Und überhaupt. Wieviel von den 3200 Tonnen, die der IWF vorgibt zu besitzen, sind schon verliehen? Er verrechnet seine physischen und die verborgten Bestände in einem Posten, eine Bilanzierungsart, die einen Unternehmenschef schnell hinter schwedische Gardinen bringt. Ach ja, das Gold soll „marktschonend“ verkauft werden. Bleibt die Frage, warum man den Verkauf zum achten oder elften Mal so großmäulig ankündigt. Ich als Privatmann würde das still und heimlich machen, ohne dass das jemand merkt. Oder steckt vielleicht doch die Absicht dahinter, den Goldpreis unter der 1000er USD-Marke zu halten? Wer weiss? Der Erlös jedenfalls soll dann in ganz tollen Anleihen und noch tolleren Aktien investiert werden. Na, gratuliere! Das hat der ehemalige britische Schatzmeister Gordon Brown auch schon mal versucht. Er warf den britischen Goldschatz bei 300 USD pro Unze über Bord, und kaufte dafür US-Dollar. Ein schlechtes Geschäft, denn danach halbierte sich der Greenback und verdreifachte sich der Goldpreis. Dafür ist Mister Brown jetzt aber Premierminister. Und er hätte so gerne ein paar weitere Milliarden Pfund in der Kasse, um den britischen Banken und Häuslebauern unter die Arme greifen zu können. Vielleicht ist die damalige Entscheidung aber auch Voraussetzung gewesen, um Premierminister werden zu können. Man könnte es meinen.
Ach ja. Die britische Wirtschaft. Schauen Sie sich mal in London um. Gehen Sie essen, besuchen sie die bezaubernden Einkaufsmeilen oder bestaunen Sie die windigen Bauten, in denen der Londoner wohnt. Wer die Stadt mit ihren meist freundlichen Menschen je besucht hat, wird gemerkt haben, dass es sehr teuer geworden ist, dort zu leben. Die meisten Londoner nehmen jeden Tag fast zwei Stunden Fahrzeit in einer maroden U-Bahn (Tube) in Kauf, um von den hohen Mieten im Umkreis von zehn Kilometern um das Stadtzentrum herum nicht aufgefressen zu werden. Und auch hier weicht nun die heiße Luft aus dem Immobilienmarkt der Themsestadt. Welche Folgen das haben wird, zeigt der Absturz der amerikanischen Häuserpreise. Auf den zweiten Blick scheint die damalige Zeit des Empirers noch weiter hinter dem Land zu liegen als vermutet. Irgendwann erlebte Großbritannien seinen Zenit. Von da an ging es bergab. In Rom war es nicht anders. Auch das britische Pfund ist nicht mehr das, was es mal war. The best is not yet to come. Vielleicht fragt sich der Brite eines Tages auch, ob es besser gewesen wäre, das Gold zu behalten, wenn er mit seiner künftigen Weichwährung ins Ausland reist.
Fakten und Vermutungen
Doch zurück zum edlen Metall. Seit Beginn der Menschheit wurden geschätzte 155.000 Tonnen Gold aus der Erde gebrochen. Es liegt irgendwo herum, tut nichts, schweigt sich aus. Verrotten will es auch nicht und industriell kann es schon wegen seines heutigen Preises kaum eingesetzt werden, im Gegensatz zu Silber. Die jährlich 30.000 angebotenen Tonnen stammen zu zwei Dritteln aus dem Bergbau. Zur Hälfte wird das Silber als Rohstoff in der Industrie verbraucht. Und die Vorräte scheinen schon in wenigen Jahren zur Neige zu gehen, schneller als beim Öl. Aus einer Studie des Frauenhofer Instituts, des RWI und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe aus dem Jahr 2006 geht hervor, dass die Goldreserven noch 17 Jahre reichen, die Ressourcen werden mit 37 Jahren ausgewiesen. Bei Silber werden die Reserven mit 14 Jahren, die Ressourcen mit 29 Jahren angegeben. Das korrespondiert mit anderen Studien, die auf ähnliche Zahlen kommen. Richtig große Vorkommen wurden seit Jahren nicht mehr gefunden. Inzwischen explodieren aber die Kosten, um die edlen Metalle aus der Erde zu befördern. Die jährliche Förderung stagniert unterdessen bzw. sie geht sogar zurück. Ohne die Verkäufe der Zentralbanken wäre der Goldmarkt längst im Defizit gefangen. Südafrika, einst Förderer von jährlichen 1000 Tonnen Gold, kommt in diesem Jahr gerade so noch auf 200 Tonnen, vorausgesetzt, es gibt genügend Strom. Viele von uns werden es wohl noch erleben, dass alles Förderbare abgebaut ist. Neben Peak Oil wird der Wortschaft wohl um Peak Gold und Peak Silber ergänzt.
Gold und Geld
Gold ist wegen seiner historischen Geldfunktion vor allem auch ein politisches Metall. Es fungiert als Barometer für Krisen. Von daher wundert es nicht, dass es als Feind des Papiergeldes angesehen und im Preis immer wieder gedrückt wird. Menschen suchten früher eine allgemein anerkannte Tauschware, um gegen diese eine andere Ware zu bekommen. Gold kam vor allem wegen seiner Eigenschaften diese Position zu. Es war selten, kostbar, teilbar und unverwüstlich, im Gegensatz zu anderen Zahlungsmittel wie Reiskörner, Edelsteine oder seltenen Muscheln. Gold war Zahlungsmittel, ein Mittel zum Aufbewahren von Werten und ein Mittel zur Bestimmung des Wertes zugleich. Heute ist es nicht anders, nur dass unser Papiergeld ein staatlich verordnetes Zahlungsmittel ist. Ob es aber langfristig auch als Wertaufbewahrungsmittel taugt, wenn sich die Teuerung allein schon an diesem „Mittel“ vergeht und der Zins und Zinseszins den Geldberg immer schneller wachsen lässt? Auch von Seltenheit kann nicht mehr die Rede sein, seit Geld unbegrenzt aus dem Nichts gezaubert werden kann. Um Gold zu besitzen, wurden einst Kriege geführt, andere Länder überfallen und Millionen von Menschen ins Unglück gestürzt. Selbst manch Herrscher stürzte über diesen Stoff. Gold wird auch immer wieder „Relikt der Barbarei“ genannt. Doch sind die Kämpfe um Öl und so manche Währung dieser Welt nicht weniger barbarisch?
An Mythos, Kraft und Schein hat Gold bislang nichts eingebüßt, außer seine Geldfunktion. Sie wurde per Gesetz vollends 1971 durch einfaches Papier ersetzt, versehene mit dem Vertrauen, dafür auch immer eine Ware zu erhalten. Geld ist nichts anderes als Kredit. Die Leistung muss erst noch erbracht werden. Weil es aber immer mehr solches Geld gibt, muss man seit Jahren immer mehr von den bunten Scheinen auf den Tisch blättern, um Waren zu kaufen. Nicht von ungefähr steigen Sachwerte (Rohstoffe) im Preis. Gold verkündet auf dem Hügel der 1000-Dollar-Marke dass es im Finanzsystem schon recht heiss geworden ist.
Der kleine Silberbruder „tickt“ etwas anders
Silber hat seine Geldfunktion im Alltag schon länger verloren. Dennoch besitzt es auch weiterhin alle diese Eigenschaften, doch vor allem die physikalischen und chemischen Eigenschaften sind es, die Silber zum Star machen, ohne den in der modernen Industrie nichts mehr läuft. Es ist wegen seiner guten elektrischen Leitfähigkeit unersetzlich. Aber auch seine Fähigkeit am besten Licht zu reflektieren und Wärme zu leiten sind geschätzt. Silber in industriellen Anwendungen wird meist nicht zurück gewonnen. Es lohnt sich kaum und damit verschwindet es auf Nimmerwiedersehen auf den Müllkippen dieser Welt oder verteilt sich in den Ozeanen.
Inzwischen sind die oberirdischen Bestände auf ein paar hundert Millionen Unzen „abgeschmolzen“. Früher waren es noch
schätzungsweise fünf Milliarden Unzen, die es allein in Amerika gab. Obwohl die weltweite Förderung in diesem Jahr etwas ausgeweitet werden konnte, explodiert die Nachfrage, vor allem von Seiten der Investoren. Silber scheint eben doch noch seine monetäre Funktion zu besitzen. Zumindest gilt es in wirren Zeiten der wankenden Banken als geeigneteres Wertaufbewahrungsmittel als Geld in Form von Papier, Bits und Bytes. Zudem funken die großen Münzprägestätten in Kanada, Australien und den USA S.O.S. Sie können seit einigen Monaten die Nachfrage nach Münzen nur schwer befriedigen und bürden dem Käufer teils wochenlange Lieferverzögerungen auf. Sollte aber der Hortungswille der kleinen Investoren später auf die Industrie überschwappen, könnte der Preis zu einem wahren Höhenflug ansetzen. Dass es dann den Shorties die Luft abwürgen wird, versteht sich von selbst. Die inzwischen bemerkbare und auch in Studien ausgewiesene Seltenheit rücken es neben dem Sicherheitsaspekt zunehmend in das Blickfeld auch der großen Investoren. Schließlich weiß man ja nicht, wohin die Teuerung rennt und was der Dollar in paar Jahren noch „wert“ sein könnte. Bei Silber weiß man das sehr wohl. Eine Unze bleibt immer eine Unze.
Der Siegeszug der ETF`s
Seit 2005 gehören börsennotierte Silber ETF`s (Exchanged Traded Funds) seit 2005 zu einer ganz neuen Anlageklasse. Sie konkurrieren seitdem um das jährliche Angebot an weltweitem Natursilber. Inverstoren können sich über diese ETF`s nun auch Silber am Markt kaufen. Am bekanntesten ist das Silber ETF von Barclays mit einem gegenwärtigen Volumen von 180 Mio. Unzen oder einem Gewicht von 5500 Tonnen. Das entspricht 20% der weltweiten Jahresförderung. Da Barclays die Seriennummern veröffentlicht, muss davon ausgegangen werden, dass sich hinter jedem Stück Papier auch die entsprechende Menge Silber befindet.(10 Unzen pro Anteilsschein). Auch das ETF der Züricher Kantonalbank (ZKB)ist binnen weniger Monate auf 15,3 Mio. Unzen angewachsen. Ein Anteil entspricht 1000 Unzen bzw. 31,1 kg. Andere ETF`s sind in Vorbereitung.
Die Hälfte der jährlich angebotenen Silbermenge wandert in die Industrie. 18 Prozent landen bei den Schmuckherstellern, weitere 14 Prozent bei der Fotoindustrie. Sieben Prozent werden inzwischen von ETF`s absorbiert. Lediglich vier Prozent des jährlich geförderten Silbers werden zu Münzen und Medaillen verarbeitet. Edelmetallhändler berichten, dass die Hälfte der in Kanada geprägten Standardmünzen (Maple Leaf) nach Deutschland verkauft werden.
Im Gegensatz zum Goldmarkt mit einer Größe von 5 Billionen USD ist der Silbermarkt ein Zwerg. Angenommen, es gäbe wirklich einen oberirdischen Bestand von einer (freundlich gerechneten) Milliarde Unzen an Silber, dann hätte dieser Berg einen Wert von ca. 18 Mrd. USD oder 11 Mrd. EUR. Das entspricht einem Viertel des Marktwertes der Deutschen Bank. Anders ausgedrückt: Jeder Bürger auf der Welt könnte fünf Gramm Silber für vier US-Dollar kaufen. Nur Abgaben von staatlicher Stelle konnten den Silbermarkt im Gleichgewicht halten. Doch inzwischen scheinen die Regierungen kaum noch Bestände an Silber zu besitzen. Wie erklärt es sich sonst, dass die USA Silber für ihre Münzproduktion aus Mexiko und Peru importiert?
Eigentlich ist der Sommer eher für den Urlaub gedacht, besonders für die Gold– und Silberbugs. Ab September gibt es wieder mehr Bewegungen. Der Fachmann nennt das auch Saisonalität. Zwischen Mai und August ist mit Edelmetallen wenig zu holen. Meist. Doch meist ist auch nicht immer, vor allem nicht in den heutigen Zeiten.
na sowas!
Die Bank of Amerika ist von der Kreditkrise gezeichnet und schreibt Verluste. Ach ja? Man scheint sich auch daran zu gewöhnen. Hätte die BoA das Vielfache der Verluste ausgewiesen, na ich wette, die Aktienmärkte wären mindestens 10 Prozent gestiegen, so wie bei den 19 Mrd. bei der UBS, vielleicht sogar mehr. Hossa!
Wer ist eigentlich nicht gekennzeichnet von diesen leichten Bank-Irritationen der Sorte Aknesil? (Dicke Pickel in der Bilanz) Und wenn man sich dann noch die Billionen der Derivate anschaut, von denen nur 10% börsengehandelt werden, der Rest "over the Counter", also auf einem türkischen Basar frei nach "Haste mal - ich würd so gern!" dann sähen die Bilanzen schon ganz anders aus. Was nicht ist, kann ja noch werden.
Aber bleiben wir doch alle optimistisch und freuen uns vor allem darüber, dass der Dow Jones nur wenige Punkte gefallen ist, also fast wieder richtig dolle zugelegt hat. Der Ölpreis klettert ja auch, warum nicht auch die Aktien?
Die Düsseldorfer Hypothekenbank wird vorübergehend auf den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken übertragen. Die Bank soll in einem geordneten Verfahren einem neuen Eigentümer zugeführt werden. Alles muss seine Ordnung haben!
Die Bank hat sich nach eigenen Angaben auf die langfristige Finanzierungen mit institutionellen Kunden spezialisiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Kreditgewährung an den öffentlichen Sektor. Zu den weiteren Geschäftsfeldern zählen die Immobilienfinanzierung und die Refinanzierung in Form von öffentlichen Pfandbriefen. Doch lachen Sie bitte ...........................jetzt!
Eine weitere Erfolgsgrundlage bildet unser modernes Risikomanagement bzw. Risikocontrolling. So streben wir eine führende Position bei der Risikobewertung von Kredit- und Handelsgeschäften an
Toll! Super! Klasse! Anstreben kann man ja diese Position immer. Oder? Und sollten Sie vor Lachen jetzt schon wieder Tränen in den Augen haben, dann geschieht Ihnen das recht.
...und die Bank of England hatte angekündigt, verbriefte Hypothekenkredite vorübergehend in Staatsanleihen umzutauschen. "Die Maßnahmen waren größtenteils schon vorab bekannt. Für die, die sich insgeheim noch weitergehende Schritte erhofft hatten, war die Ankündigung daher eine Enttäuschung", sagte Paul Mackel, Devisenstratege von HSBC. "Die Marktteilnehmer fragen sich zudem, ob die Maßnahmen ausreichen.
Bestimmt!
Rotierende Wegweiser
Die Klimaerwärmung macht offenbar eine Pause, leider, denn eigentlich will man ja mit dem Rad raus, zum Wohle der Umwelt. Doch dafür ist es noch zu kalt. Ein Teufelskreis. Dafür heizt sich die Stimmung an der Börse schon wieder auf. Besonders hitzig geht es gerade im Rohstoffmarkt zur Sache. Der Wut derer, die ihre täglichen drei Schüsseln Reis nicht mehr bezahlen können, entlädt sich inzwischen an einigen Ecken der Erde. Hunger macht eben Wut und sich verdoppelnde Reispreise Hunger. Das Fass Öl kostet inzwischen 115 Dollar, und es schlägt selbigem den Boden aus, wenn man auf die wirtschaftlichen Rahmendaten samt der kostenlos mitgelieferten Interpretationen achtet. Haarscharf wird analysiert, was sich wohl kaum einstellen wird. Selbst das Wetter ist verlässlicher als die Prognosen der Wirtschaftsexperten.
Inzwischen sind die Ausblicke für 2008 zum x-ten Male angepasst worden, nur die Interpretation blieben gleich. Alles bleibt besser, und wenn nicht, dann ist das völlig überraschend. Schließlich ist "überraschend" in meiner nach oben offenen Liste der Un-Worte ganz oben. Nirgendwo öfters taucht dieses Wort auf als in der Finanzszene. Überrascht? Ein ehemaliger Kollege sagt jetzt permanent, dass irgendwelche Zahlen "angenehm positiv " überrascht hätten. Au Backe! Selbst der Otto Normalverbraucher ist irgendwie täglich mehrfach angenehm oder unangenehm positiv überrascht, scheint aber dem ganzen Zahlensalat auch immer weniger zu trauen, selbst wenn er noch so nett angerichtet ist. Vielen ist es auch völlig egal, was da prognostiziert wird. Notfalls kommt eben Herr Zwegert von RTL. In Umfragen sieht man, dass sich zwischen dem Schein und dem Sein ein Spalt öffnet, der dringend nach Füllung ruft. Doch warten kann man auch vergebens.
Was wichtige Menschen gerade wieder gebetsmühlenartig präsentieren, wirft die Frage auf, was diese Aussagen überhaupt wert sind, wenn sie drei Monate später wieder durch Neue ersetzt werden. Meist geht der Optimismus oder auch der Wunsch des Verkünders mit selbigem durch. Das ist an der Börse nicht anders. Dort rätseln gerade die Reporter, ob das Ende der Kreditkrise in dieser oder in der kommenden Woche zu verankern sei. Fällt der Ölpreis wie gerade jetzt um 0,3% und der DAX schwingt sich über die Marke von 6700 Punkten, dreht die Stimmung auf dem Frankfurter Parkett von mies auf toll. Kurse machen eben Nachrichten. Was nicht passt, wird passend gemacht.
Nebenbei vernehme ich das Frühjahrsgutachten der diesmal acht führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Demnach wächst die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,8 Prozent. Im letzten Herbstgutachten war noch von 2,2 Prozent die Rede, ein Jahr zuvor von 2,4%. Der Prognose lagen übrigens ein Erdölpreis von 65 Dollar pro Barrel (Brent) und ein Wechselkurs des Euro von 1,32 US-Dollar zugrunde. Wo stehen wir heute? Beruhigend ist dagegen, dass die Wirtschaft bis 2012 durchschnittlich um 1,5% wachsen soll. Für diese Prognose sollten wir dankbar sein.
Bundesarbeitsminister Scholz hält weiterhin eine Vollbeschäftigung für möglich. Wenn die tägliche Körperhygiene zur Beschäftigung hinzugezählt werden dürfte, wäre dieses Ziel schon bald erreicht. Oder sollte man jedem ein Paar Stricknadeln reichen und wir wären alle voll beschäftigt? Doch das wäre etwas zu plump, denn schließlich hat man andere Instrumente, um die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr unter drei Millionen zu drücken. Man lasse Frührentner, 1-Euro-Jobber und die in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch das Raster der Beschäftigten fallen und schon haben wir den Aufschwung. Doch die Realität scheint anders auszusehen. Die Frankfurter Rundschau schreibt, dass 22 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Geringverdiener sind. Die Grenze hierfür liegt bei 6,81 Euro im Osten und 9,61 Euro im Westen. Im Durchschnitt erhalten Geringverdiener gerade mal 5,43 Euro. Das ergibt eine Studie von Wissenschaftlern, die in fünf europäischen Staaten durchgeführt wurde und korrespondiert in etwa auch mit den 5,5 Mio. Menschen, die in Deutschland einen Anspruch auf ALG-2 haben. Vollbeschäftigung muss ja auch nicht bedeuten, dass man von seinem Job leben können muss.
Die Leute hätten in diesem Jahr 0,5% netto mehr Geld in der Tasche als im letzten Jahr. Anders gerechnet - ein Millionär und 99 arme Schlucker machen eben auch für jeden 10.000 Euro. Trotz aller Unkenrufe soll der Konsument heuer den Aufschwung tragen. Die Schultern will ich sehen! Der Einzelhandelsverband rechnet mit einem anpassbaren Plus von zwei Prozent. Das kann sich jederzeit auf 1,8% oder 0,2% korrigieren, natürlich überraschend. Es scheint mir auch nicht sonderlich schwer sein, mehr Geld auszugeben zu müssen, wenn die täglichen Dinge teurer werden. Wer vor einem Jahr sich einen Vorrat an Grundnahrungsmitteln angeschafft hätte, wäre besser gefahren als an der Börse oder mit Tagesgeld.
Ich möchte so gerne wissen, mit welche Teemischungen sich manche Experten betrinken. Es muss eine Mixtur aus Maiglöckchen, Tollkirsche und Goldregen sein. Es scheint zumindest Sinn und Verstand zu verwirren. Und so jagen täglich die Zahlen über den Bildschirm, manche verschmutzen meine Ohren und Augen. Nachprüfen kann ich das alles ja nicht, aber aber glauben auch nicht. Man verlässt sich lieber auf das eigene Gefühl und hofft oft, dass auch dieses täuscht.
Und so warte ich weiter auf den Frühling, genieße ein paar freie Tage und komme auf eine komische Idee. Gegenüber macht gerade ein neuer REWE auf. Der andere um die Ecke wird geschlossen. Ich werde morgen mal zum alten REWE rübergehen, und mir den Kassenbon archivieren. REWE wirbt mit "Jeden Tag ein bisschen besser". Mal schauen, ob das auch auf die Preise im Glanze des neuen Lichtes zutrifft. Ich werde davon berichten, obwohl mein Kühlschrank gefüllt ist und ich gerade gesättigt bin. Man muss ja mal investigativ unterwegs sein. Welch blödes Wort.
Übrigens, meine alten Einkaufszettel von meinem letzten Urlaub auf Mallorca habe ich auch noch. In diesem Jahr werde ich auch hier die Preise vergleichen können. Jedenfalls hat diese Insel wie das gesamte Land die beste Zeit wohl hinter sich. Das hat sich im letzten Jahr schon angedeutet. Der Immobilienmarkt ist gerade dabei so zu reagieren, wie eine Blase ihre Nadel gefunden hat. Für den Flug dorthin habe ich in diesem Jahr ein Viertel mehr bezahlt. Aber was tut man nicht alles für die Umwelt.
Herzlichst
Ihr Frank Meyer
Von Edelmetallen, Zertifikaten und gehebelter Gier
Am Rande einer Veranstaltung in Köln wurde ich von etlichen Besuchern über meine Prognosen zum Silberpreis angesprochen. Ich verweigere gerne die Auskunft, denn das ist ungefähr so, als ob man jemanden fragt, wie sich die Laune seiner "besseren Hälfte" in den kommenden Tagen gestaltet. Dartpfeil-Werfen ist einfacher! Glauben Sie mir! Nicht dass ich mich nicht festlegen möchte, aber es gibt zu viele Anleger, die treffen ihre Entscheidungen aufgrund anderer Leute Meinung. Sie kaufen dann Dinge, die sie besser nicht hätten kaufen sollten und oft auch nicht verstehen. Im Bereich der edlen Metalle ist es schon ein „kleiner“ Unterschied, ob man ein Zertifikat erwirbt oder die Ware physisch kauft. Doch meist stehen im Vordergrund die dicken Gewinne und Prozente, was ja an der Börse nichts Ungewöhnliches ist. Oft bekommt dann der Traum schnell den Vornamen "Alp". Die Zeitspanne war zu kurz bemessen, der Hebel zu hoch und der Einsatz zu groß. Der "Berater" ist dann meist auch schwer erreichbar. Außerdem sollte man sich schon genau anschauen, was man da im Depot schlummern hat. Das macht Arbeit und kostet Zeit. An den Finanzmärkten gibt es eben keinen „free Lunch“, auch wenn das oft versprochen wird. Bei Edelmetallen ist eine Analyse recht einfach. Schauen Sie auf Angebot und Nachfrage. Basta! Und vergessen Sie bei allem rosa Rauschen nicht: Börsen handeln Wahrscheinlichkeiten, die dann oft nicht termin-und wunschgemäß eintreffen.
Viele Fragen zielten dabei auf ein bestimmtes Zeitfenster. Was meinen Sie? Wo steht Silber Ende Mai? Ende des Jahres? - wurde ich gefragt. Woher soll ich das wissen? Zu vermuten war aber, dass sich der Anleger mit Knock-Out-Zertifikaten vollgesogen hatte, also mit Papieren, die einen hohen Hebel besitzen, aber beim Unterschreiten einer bestimmten Marke in den Hades der Zertifikatewelt eintauchen und dort auch verbleiben. Und Tschüss! Doch auch ungehebelte Zertifikate haben ihre Tücken. Hinter keinem steckt auch nur eine Unze des Metalls. Das steht sogar im Kleingedruckten, deshalb ist es wohl auch klein gedruckt. Doch wer liest das schon durch?
Viele Anleger, die mit so einem Vehikel auf stark steigende Kurse setzten, haben ihren Einsatz verloren. Anleger in physischer Ware hatten dagegen zwar nicht die fünf – oder 15-fache Chance, sind aber auch ihr Geld jetzt nicht los. In solchen Zeiten wie diesen, erteilen uns die Götter und die, die sich als solche im Edelmetallmarkt fühlen oft harte Lektionen. Silber hat von seinem Hoch in der Spitze 30% verloren, Gold 15%. Diese heftigen Bewegungen sind nicht nur von Angebot und Nachfrage getrieben, sondern auch von Interessen. Gold ist beispielsweise auch ein politisches Metall. Wundern Sie sich also nicht über Kurssprünge oder Abstürze. Immer wieder lehrt der Markt die Hassadeure eins: BESCHEIDENHEIT.
Derweil sind die Edelmetalle wieder auf dem Weg in eine höhere Etage, die Knock-Out-Zertifikate stehen schon wieder auf den Kauflisten. Ich wette, dass beim nächsten Rutsch, der „zufällig“ wie der Blitz aus heiterem Himmel kommt, wieder Tausende ihr Geld verlieren. Vielleicht ist das auch Absicht.
Abenteuer aus Absurdistan
Heute fragte ich meinen Bäcker nur so zum Spaß, ob denn die Brötchen noch 40 Cents das Stück kosten. Er lachte und bejahte, doch nicht mehr lange, drohte er. Vor dem Euro kostete das Brötchen noch die Hälfte. Die Weizenpreise schlagen eben durch die Decke, auch die Energiepreise halten mit. Die Leute kaufen außerdem nicht mehr so viel Kuchen und Stückchen. Es ist offenbar eng, obwohl wir einen Aufschwung haben. Dass das weltweite Geld in die Sachwerte strömt, also in Weizen, Mais, Reis und Soja, aber auch in Öl, Metalle und Metalle, merken wir inzwischen beim täglichen Einkauf. Ebenso spüren wir, wie der „Aufschwung“ unsere Geldbörsen füllt. Na gut, nicht die von allen, aber immerhin die von einigen wenigen. Aber immerhin.
Nicht nur die Lebensmittelpreise befinden sich auf steilem Pfad, auch die Daueroptimisten wittern Morgenluft und sind wieder unterwegs. Sie frohlocken, dass auch die Aktienkurse bald steigen werden und müssen. Weil auch der Job sonst auf der Kippe steht? Auf jeden Fall werden wir uns reicher fühlen, wenn die Kurse steigen, und deshalb sollten wir kaufen. Dabei klammern sie sich an jeden Strohhalm, selbst wenn der lichterloh brennt. Was man braucht, ist etwas Geld, etwas Zeit und besonders viel Optimismus. Schließlich war es in den letzten Jahren auch immer so. Bloß wer hat schon Zeit, Geld und Optimismus? 60 %der Deutschen haben gar nichts auf der hohen Kante. Zeit haben an der Börse die Wenigsten. Und wenn man sich das großartige Amerika anschaut, vergeht einem der Optimismus binnen Augenblicken und auch der Appetit auf US-Anlagen. Die ersten Quartalsbilanzen kündigen von einer Abschwungphase. Selbst Laien wie ich hatten das befürchtet (Das dicke Ende) und (Die nächste Blase) Die Hauspreise fallen weiter und werden ihren Trend wohl noch ein Stückchen beibehalten. Großbritannien und Spanien geht es inzwischen nicht viel besser. Im Gegenteil. Das Vertrauen der US-Bürger bewegt sich inzwischen auf Niveaus, wo viele Leser noch gar nicht auf dieser Welt waren. Aber die Notenbanken kämpfen mit vereinter Kraft an den Pumpwerken der Geldschläuche. Ein normaler Finanzmarkt sieht anders aus. Von freien Märkten zu sprechen ist wie ein guter Witz in einer Büttenrede. Sollten die Notenbanken erfolgreich sein, schwimmen wir alle im Geld. Es spielt dann keine Rolle mehr. Vielleicht steht der DAX in Zukunft bei 20.000 Punkten und die Tüte Eis kostet 20 Euro? Doch die 20.000 DAX-Punkte werden bejubelt werden. Doch das Leben ist leider nicht nominal, im Gegensatz zu den Börsenkursen.
Es ist zum aus der Haut fahren. Wem soll man eigentlich noch glauben? Dem Internationalen Währungsfonds, der selbst klamm ist und 945 Milliarden USD Schaden wegen der Kreditkrise prognostiziert? Wie kommen die eigentlich auf diese 945 Milliarden? Warum nicht 941,2 Milliarden? Oder 871,6? Auf die eine Milliarde mehr oder weniger kommt es doch nun wirklich nicht mehr an. Eine Billion klingt vielleicht ein bisschen hart, man kann es ja später und zeitnah nachreichen, wenn man sich an die alte Prognose gewöhnt hat. Übrigens, die OECD errechnet anpassbare 450 Mrd. USD an Kreditschaden. Ich weiß zwar nicht, wie die Experten das errechnen, befürchte aber, dass beide Prognosen Mumpitz sind. Zumindest ist aber das garantiert.
Öl ist heute auf 114 USD pro Barrel gestiegen. Bloß was ist der Dollar eigentlich noch wert? Gleichzeitig findet man bei Brasilien 33 Mrd. Barrel in 5000 Metern unter dem Meeresspiegel. Man muss es nur noch fördern. Da die Welt täglich 80 Millionen Barrel verbraucht, würde das Ölfeld nach 400 Tagen leergepumpt sein. Und dann? Zur selben Zeit meldet Rußland, dass man den Zenit der Förderung jetzt überschritten hat. Aus die Maus! Und nun?
Dafür diskutieren im Fernsehen hochbezahlte Menschen über die Zukunft. Leute, die ihre Brötchen oft nicht selbst kaufen müssen und ihre Heizkosten eher als Peanuts empfinden. Der Staat muss jetzt mit Steuergeldern helfen! Inmitten des Aufschwungs ist der Wahlkampf, Ewigkeiten vor der nächsten Wahl losgebrochen. 20 Millionen Rentner wollen schon jetzt „optimisiert“ werden, mit einer außerplanmäßigen Rentenerhöhung von sagenhaften 1,1 Prozent und der zeitnahen Botschaft, sie lägen der Jugend auf der Tasche. Oma fragte mich kürzlich, ob sie aus Solidarität jetzt sterben soll, um uns alle nicht weiter zu belasten. Ich riet ihr davon dringend ab, denn das erledigt die nächste Gesundheitsreform von alleine, dachte ich. Und empfahl ihr, gerade jetzt mindestens 150 Jahre alt zu werden, ihre Rente zu genießen und zuzuschauen, wie die Alterspyramide langsam umkippt. Wir rücken eben etwas enger zusammen. Oma hat schon so Manches überlebt. Den Krieg, den Hunger, die vielen Reformen und auch die DDR. Aber im Vorwahlkampf sind 20 Millionen Stimmen eben 20 Millionen Stimmen. Die wollen gepflegt werden. Und was man den Rentnern nicht wieder wegnehmen kann, erledigt die Inflation auf ihre Weise.
Was man gerade an den Märkten beobachten kann, ist einzigartig und zuweilen auch überwältigend und angsteinflößend. Inflation kämpft mit Deflation und umgekehrt. Wer siegen wird, steht in den Sternen. Das können selbst die lautesten „Experten“ nicht wissen. Ihr Horizont greift einfach zu kurz, oder nur ihre Träume, Wünsche und Absichten. Mit der Realität muss das wenig zu tun haben. Es geht nicht darum, mit wieviel Geld man den Banken aus der Patsche helfen muss, und wer da etwas angekündigt hat, sondern wie schnell die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist und die Kredite fließen. Schließlich ist jeder Geldschein Kredit und nichts anderes als das. Bloß wohnt dem Geld die zerstörerische Eigenschaft inne, immer schneller gedreht zu werden und in immer größere Dimensionen wachsen zu müssen. Die Notenbanken kümmern sich darum gerade intensiv. Sie versorgen die Märkte mit üppiger Liquidität und machen diese noch billiger. Ob das ausreichen wird, um eine neue Blase zu schaffen? Wir werden eine neue Blase brauchen und vom Erfolg oder Misserfolg erfahren. Der Rentenmarkt erscheint schon jetzt die Dimension einer gigantischen Blase erreicht zu haben. Und Schuld daran sind diesmal nicht die Chinesen, sondern die Eigenschaft des Geldes. Aber wer von den Schreihälsen, die bei Wind und Wetter zum Einstieg in dieses und jenes bläst, hat von GELD meist auch nur andeutungsweise eine Ahnung. Hauptsache das Geld ist da, die Liquidität, die Anlage sucht. Ha ha ha ! Fragen Sie die Experten doch einmal, was GELD wirklich ist. Aber seien Sie auch darauf vorbereitet, dass man wird Ihnen das Gegenteil von dem raten wird, was gestern noch en vougue war. Leider kann man sie dafür nicht in Haftung nehmen. Doch ich hoffe, Sie haben ein gutes Gedächtnis und die Götter die Zeit, darüber zu befinden.
Telekom – der kollektive Selbstbetrug
Erster Tag im T-Mammutprozess, in dem es um die Ersparnisse von tausenden Anlegern ging, die vor acht Jahren 63,50 EUR für ein Telekom-Papier bezahlten und sich seitdem hintergangen fühlen. Was kam heraus? Nichts. Noch nichts. Vielleicht steht das Ergebnis erst im Jahr 2030 fest. Wer soll das wissen? Doch damals wollte jeder das schnelle Geld machen. Der Bund, der Anleger, das Unternehmen und auch die Banken. Einige wollten zehn Prozent an einem Tag, andere verwechselten die T-Aktie mit einem Sparbuch oder einer festverzinslichen Anlage. Wenn ich Manfred Krug richtig in Erinnerung habe, der ja angeblich nicht mal selbst ein Telefon besessen haben soll, hätte man glauben können, dass das auch funktionieren könnte. Er bekam dafür viel Geld. Manne Krug hat sich Ende 2006 dafür entschuldigt. Das wollen wir festhalten. Die Telekom hätte auch meine Oma als Werbefigur nehmen können, bloß spielte sie nicht im Tatort mit, nicht mal als Opfer.
Es war die Zeit mit einem Zuviel an TV-Werbung, an Hochglanzbroschüren, an Träumen, Hoffnungen und an Wünschen, die den Zeitgeist damals prägten. Anleger der ersten und zweiten Tranche hatten ja so dicke Gewinne eingefahren, was sollte bei der dritten Tranche noch schiefgehen? Die Träume stiegen in den Himmel. Die einen wollten nie wieder arbeiten, die anderen nie mehr Sorgen um ihren Altersruhestand haben, weitere den schnellen Zock. Jeder schwelgte in seinen eigenen Befindlichkeiten. Die kollektive Selbsttäuschung erlebte einen Höhepunkt. Die inzwischen verschwundenen Gurus der „New Economy“ sabberten etwas von einer neuen Ära. Selbst der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte wilde und im Nachhinein dumme Argumente parat. Reich zu werden, indem man Geld schiebt, gehörte in diese Kategorie. Träume verkauften sich reihenweise am Fließband. Mit Mobilcom und dem anderen inzwischen gescheiterten Kram funktionierte das ja schließlich auch. Leute mit dem warnenden Finger belächelte man. Selbst diejenigen, die von einen Stop Loss redeten, also von der Reissleine, die unvorsichtige Anleger vor dem Schlimmsten bewahren, standen gedemütigt in der Ecke. Viele waren es nicht. Steigen sollte, was steigen musste.
Und dann betrat Mister Market die Bühne. Er rief „Alles Schwachsinn!“ schickte die graue Anlegermasse auf den Hosenboden und lieferte prompt dafür den Beweis. Die Kurse rutschten, oft ins Bodenlose. Und was machen Menschen, die Fehleinschätzungen getroffen haben oder sich hinters Licht geführt fühlen? Sie klagen! Die einen laut, die anderen leise, mit großen und weniger großen Verlusten, mit mehr oder weniger bekannten Staranwälten. Selten habe ich einen gesehen, der zugab, andere betrogen zu haben, selten einen, der eigene Fehler eingeräumt hat und auch bereit war, die Folgen dafür zu tragen. Dabei ist das Regel Nummer eins an der Börse. Und so beschäftigt man über 900 Kanzleien mit dem T-Prozess, der bis zum Sankt Nimmerleinstag laufen könnte. Nette Arbeitsbeschaffungsmaßnahme!
In der Tat, der Prospekt sollte stimmen. Das klären aber jetzt die Anwälte. Stimmig sollte auch die eigene Entscheidung sein, und so schlage ich eine einfache Lösung vor: Da jeder mit dabei war, auch unter dem Ausschluss von Intelligenz, Anstand und Normalität, könnte man das Leid ja teilen. Sagen wir 50 zu 50. In Amerika ging es ja auch. Wieso gibt der Bund eigentlich den Amerikanern die Unterlagen, die in Deutschland unter Verschluss sind? Was gibt es hier zu verstecken? Sagen wir
60 zu 40? Die Telekom wird die Millionen verschmerzen können. Besonders blauäugige Anleger, die Aktie mit Sparbuch verwechselten, haben ihre Lektion gelernt. An der Börse gibt es definitiv kein freies Mittagessen, dafür Stop Loss und auch Berater. Vielleicht sollte man einige von den Traum– und Seelenverkäufern in Zukunft mit Ignoranz belohnen.
Wer bitte schön hat sich schon den ganzen Prospekt durchgelesen? Ich meine von vorne bis hinten? Alle Seiten und alle Buchstaben. Alle wollten das schnelle Geld und die Sicherheit dazu. Mag sein, dass ein paar Anleger sich die Mühe machten, aber wer hat das schon verstanden? Ich nicht. Verstanden habe ich, dass da jemand ein Staatsunternehmen unters Volk bringen wollte, und das mit ultrahochglänzenden Heften und auch zu vielen Träumen. Sagen wir 70 zu 30? Enthalten darin ein Bonus für Blauäugigkeit und auch einer für das Ausnutzen der selbigen?
Die Telekom-Angelegenheit ist wohl nur ein Beispiel von Dingen, die tagtäglich an der Börse ablaufen. Wer hat im Sommer 2007 gemeint, der DAX wäre billig? Bitte melden! Was geschieht mit denen, die todsichere Tips in Börsenbriefen verkaufen, zusammen dem Traum des schnellen Geldes im Beipack? Zu wenig! Und wird Mister Market auch bei denen vorbeikommen, die felsenfest behauptet haben, dass die amerikanische Immobilienkrise nur eine Randerscheinung sei? Sicher. Rechtsanwälte hätten viel zu tun und sicherlich auch viel Spaß dabei.
Aber eins haben wir aber alle: Etwas gelernt. Oder auch nicht.
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