Archiv für: Januar 2008
Gold ist (zu) teuer ?
Gold kletterte heute wieder von einem n o m i n a l e n Hoch zum nächsten. Die Feinunze kostete heute fast 930 USD, umgerechnet 627 EUR für 31,1 Gramm. Gold ist zu teuer, sagen die Dauerpessimisten und sprechen von einer Blase. Wie witzig, dass sie das schon bei 500 USD sagten, bei 600 USD wiederholten und bei 700 USD warnten. Und viele fragen sich: Warum?
Es ist eine gute Zeit für das gelbe Metall. Die Zeitungslektüre vom Wochenende zeigte erneut, wie sehr die Banken unter ihren eingekauften Risiken schnaufen. Sinn – und wertlose Kreditverbriefungen bringen sie an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Billionen von Derivaten, Milliarden an Abschreibungen - fast alle hat es erwischt. Der Zocker aus Frankreich kam da gerade recht, um wenigstens für ein paar Tage vom eigentlichen Problem abzulenken. Neuvorlage in wenigen Tagen. Wetten? Inwieweit die Banken die Hosen schon herunterlassen haben, liest man wohl wieder am kommenden Wochenende in den Zeitungen. Irgendwo muss der ganze Kreditmist doch versteckt sein. Es bleibt spannend.
Während die toten Bullen aus dem Obergeschoss der Börse geworfen werden, Edelmetalle haussieren und sich Wohlhabende fragen, was mit dem Geld los sei, stöbern die Zeitungen auch in der Geschichte und werden fündig. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Wenn die Kreditausweitung stockte, zogen schwarze Wolken, Sturm und Donner auf. Kein Wunder, dass trotz gesunkener Aktienkurse keine Jubelstimmung aufkommen mag. Die Geschichtsbücher wissen wie die Tage der Abrechnung aussahen.
Meist wird heutzutage die Rendite auf den Einsatz durch die Inflation aufgefressen. Es bleibt also auch in diesem Jahr die Herausforderung, der Inflation ein Schnippchen zu schlagen. Diesseits und jenseits der großen Ozeane sprechen Fachleute von negativen Realzinsen. Zwar versuchen die Notenbanken durch mehr Brennstoff die Anlagepreise am Lodern zu halten, doch auch hier zeigt die Geschichte, dass Gelddrucken und niedrige Zinsen die Teuerung anstachelt. Schauen Sie nach Simbabwe oder auf die 27 missglückten Geldexperimente des letzten Jahrhunderts. Oder schauen Sie auf die Abrechnung für Dinge des täglichen Bedarfs.
Während die Goldnachfrage explodiert, sinkt die weltweite Produktion. Südafrika knipst sich den Strom aus. Die Goldminen fördern jährlich weniger Metall zutage, und die neuen Minen sind noch lange nicht soweit, um das Defizit auszugleichen. Auch die Notenbanken scheinen (zu)viel ihrer Goldmunition verschossen zu haben. Die Flucht in Sachwerte nimmt zügig ihren Lauf. Gold schweigt und steigt.
Wir werden zudem auch wieder lernen müssen, zwischen Preis und Wert einer Sache zu unterscheiden. Der Wert ist definiert durch die Eigenschaft des Gegenstandes. Der Preis ist verschieden. Ein Haus in Dresden hat den gleichen Wert wie in München. Die Preise aber sind verschieden, nicht die Werte. Und wer aus Preis und Wert das Wörtchen p r e i s w e r t gemacht hat, dem fehlte wohl so manche Tasse im Schrank.
627 Euro für eine Feinunze Gold ist im Vergleich zur Jahrtausendwende ein stolzer Preis. Doch eine Unze bleibt eine Unze. Das war so. Das ist so. Und das wird immer so bleiben. Geld auf dem Sparbuch bringt Kaufkraftverluste. Geld in vermeintlich sicheren Anleihen und Lebensversicherungen verzehrt sich selbst. Papier bleibt Papier und Gold bleibt Gold. Versprechungen sind Versprechungen und unterscheiden sich nur dadurch, wie man sie bricht.
Eine 20-Reichsmark-Goldmünze aus dem Jahr 1870 kostet heute ungefähr 150 EUR. Der 20 RM-Papierschein reicht nicht einmal aus, um einen Kamin anzuzünden. Gold ist Geld und Geschichte wiederholt sich nicht – aber sie reimt sich. Und wer meint, dass Gold zu teuer wäre: Wie wäre es mit Silber?
Systemausfall - Giftiges aus der Zockerbude
Kennen Sie das? Jeder spricht wieder über die Börse. Die Schnäppchenjäger sind unterwegs. Kursschwache Tage sind Kauftage! Erinnern Sie sich an dieses Mantra so mancher "Experten"? Wenn diese über Geld reden, ist es fast so, als spräche ein Schäferhund von einer Leberwurst.
Dreht die Musik auf! Die Party ist vorbei!
Was für eine Börsenwoche! Die Bären tanzen Samba. Viel Zeit hatten sie, sich zu erholen. Nur manchmal hatten sie sich aus ihrer Höhle getraut, um von den Bullen sofort aufs Horn genommen zu werden. Wochenlang saßen sie dann vor der Börse und schnäuzten sich in ihre Taschentücher. Doch die Zeiten ändern sich. Nicht mehr zu übersehen sind die Toten aus dem Reich der Immobilienfinanzierer, die Halbtoten aus der Welt der Banken und auch die künstlich Beatmeten. Sie schwimmen bäuchlings wie ein Seeotter (Kiel oben) in rauher See. Dabei tönt die Musik so laut, dass man das Lachen der Götter nicht hört. Die Party scheint vorbei zu sein. Vorerst.
Die "Experten" haben es ja vorausgesagt
Komisch, wieviele Experten, vor allem die Sorte der Selbst-Ernannten, das Allzeithoch bei Gold über 900 USD/Unze vorausgesagt haben. An solchen Tagen wie heute kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein kurzes Suchen im Internet verrät aber, dass einige der Experten früher sogar meinten, dass sich Gold nie lohnen würde, weil man es nicht essen könnte, und es keine Dividenden bringt. Wie lustig! Heute meinten Experten, dass Gold weiter steigen, aber auch fallen könnte. Experten eben.
Gier nach Gold
Während der Aktienmarkt abrutscht, und der Dollar weiter zur Hölle fährt, glänzt Gold so hell wie noch nie. Die meisten Erklärungsversuche zeigen, wie wenig man über das gelbe Metall weiß. Man liest davon, dass Gold keine Dividende abwirft, man es nicht essen kann und noch viel größeren Mumpitz. Was hat eigentlich Jim O`Neill, den Chefökonom Goldman Sachs Ende November geritten, als er den Investoren riet, ihr Gold zu verkaufen? Seitdem ist die Feinunze um 200 USD gestiegen.
Ein Nachmittag mit Jean Claude Trichet
Wow! Die Inflation wird in diesem Jahr wieder etwas abnehmen! Das tönt gerade aus meinem Fernsehgerät. Ich drehe lauter. EZB-Chef Jean Claude Trichet spricht gerade und verteidigt seine Zinsentscheidung. Trotz voranpreschender Preise auf breiter Front, soll die offizielle, harmonisierte, gut durchgerechnete und nur theoretisch gebogene Kerninflation in diesem Jahr über zwei Prozent bleiben. Über ZWEI Prozent?
Zu wahr um schön zu sein
Im letzten Jahr sind die Aktienkurse sind wieder gestiegen. Die Investierten jubeln. 2007 war trotz der „Subprime“-Krise und der durchgeschüttelten Banken ein gutes Börsenjahr. Wer dabei war, kann sich auf die Schulter klopfen. Manch Nicht-Investierte fragen sich vielleicht, wo die anderen das Geld hernehmen.